Streit um 100 Prozent Barrierefreiheit in Tirol

Die Wirtschaftskammer und die Neue Heimat Tirol fordern, dass nicht alle Wohnungen rollstuhlgerecht gebaut werden müssen. Dieser Argumentation kann die Gleichbehandlungsbeauftragte des Landes und Vorsitzende des Tiroler Monitoringausschusses, Isolde Kafka, nichts abgewinnen.

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Innsbruck –Die Wirtschaftskammer und die Neue Heimat Tirol haben eine Diskussion angestoßen: Sie fordern, dass nicht alle Wohnungen rollstuhlgerecht gebaut werden müssen. Die Landesregierung möge die 100-Prozent-Quote senken, um die Baukosten zu reduzieren und Wohnen für alle leistbarer zu machen.

Dieser Argumentation kann die Gleichbehandlungsbeauftragte des Landes und Vorsitzende des Tiroler Monitoringausschusses, Isolde Kafka, nichts abgewinnen. Es gehe nicht darum, wie viel Rollstuhlfahrer es in Tirol gibt, um eine Quote festzulegen. „Für Betroffene ist es kaum möglich, Wohnraum zu finden, schon gar nicht, wenn es schnell sein muss.“ Kafka hält es für schwer zumutbar, dass Betroffene nach einem Unfall aus ihrer Wohnung ausziehen müssten. Entscheidend sei auch die Frage, ob Rollstuhlfahrer Freunde besuchen oder Toiletten in Lokalen benutzen könnten. Der Monitoringausschuss will sich im Juni mit dem Thema Wohnen beschäftigen.

Über eine Senkung der Quote reden will hingegen SPÖ-Klubobfrau Elisabeth Blanik. Selbst die Architektin und Lienzer Bürgermeisterin meint: „Wir müssen nicht alle Wohnungen behindertengerecht errichten.“ Der einhergehende höhere Flächenverbrauch mache Wohnen in Tirol insgesamt teurer. „Es hilft außerdem einer Rollstuhlfahrerin nicht, wenn wir hundert Prozent der Wohnungen barrierefrei bauen, diese aber für sie nicht leistbar sind“, sagt Blanik.

Der Chef der Neuen Heimat, Markus Pollo, hatte auf Deutschland verwiesen. Dort gelte in manchen Bundesländern eine Quote von 25 Prozent. Wo sich Pollo und Bau-Innungsmeister Anton Rieder einig sind, sind die Stellplätze. Die entsprechende Verordnung, Parkplätze zu reduzieren, scheitere oft an der Gemeindeautonomie. (aheu)

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