Die Altenpflege frisst Löcher in Kufsteins Gemeindekasse

Teuer geleastes Pflegepersonal, wenig ausgelastete Betten – die beiden Altenwohnheime bleiben die finanziellen Sorgenkinder der Festungsstadt.

Pflegepersonal ist schwer zu finden – Kufstein musste im vergangenen Jahr Fachkräfte leasen, um genügend Kapazitäten für die beiden Seniorenwohnheime zu haben. (Symbolfoto)
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Kufstein –Besser als erwartet fällt in der Gemeinde Kufstein das Ergebnis für das Rechnungsjahr 2018 aus (siehe Kasten). Ein finanzielles Sorgenkind bleiben jedoch die beiden Seniorenwohnheime.

Das Problem Fachkräftemangel macht auch vor der Festungsstadt nicht Halt. Um die vom Land vorgeschriebenen personellen Kapazitäten erfüllen zu können, musste die Gemeinde im vergangenen Jahr teures Fachpersonal leasen. Die Personalkosten machten sich damit im Budget deutlich bemerkbar: So brauchte es 2018 um 400.000 Euro mehr als veranschlagt. 323.000 davon allein für die durch den Fachkräftemangel bedingte Fremdleistung. „Wir haben laufend Stellen ausgeschrieben, doch uns fehlen die Bewerber“, erklärt BM Martin Krumschnabel.

Gleichzeitig schwankt die Auslastung der Betten – die Einnahmen stagnieren seit Jahren. Obwohl man aufgrund dieser Erfahrungen vorsichtig kalkuliert hatte, wurden hier die Erwartungen um etwa 572.000 Euro unterschritten. Insgesamt investierte Kufstein 2018 knapp 1,83 Mio. in die beiden Seniorenheime Zell und Innpark.

Die Prognose für die nächsten Jahre ist für den Stadtchef keine positive. „Das Problem können wir mit Geld alleine nicht richten, weil wir einfach keine Leute finden“, so Krumschnabel. Für ihn sei ein Pflegeberuf auf Lehramt (ähnlich wie in der Schweiz) ein mittelfristiger Lösungsansatz, um Jugendliche früher und „schonender“ in den Berufsalltag einführen zu können. Viele seien vom prompten Einstieg in die Materie überfordert, ist der Bürgermeister überzeugt. Andere hätten – so sie das für die Ausbildung nötige Mindestalter von 17 Jahren erreichen – bereits andere berufliche Wege eingeschlagen. Auch ein einheitliches höheres Gehalt sei angemessen. „Ich hoffe, dass das Land hier die Gemeinden nicht im Regen stehen lässt.“

Trotz steigender Kosten und geringerer Einnahmen sei die Gemeinde bereit, mehr in die Pflege zu investieren und – so sich Anwärter finden – das Personal aufzustocken. Der Beruf sei fordernd, ein einzelner Krankenstand könne enorme Auswirkungen auf ein gesamtes Team haben. „Wir können nicht mehr Menschen pflegen, als wir Personal haben. Betten ausgebaut haben wir ja augenscheinlich genug“, meint Krumschnabel mit Blick auf immer wieder leer stehende Zimmer.

Planungssicherheit sei hier allerdings kaum möglich. Während ein Patient der Pflegestufe eins wenige Minuten am Tag Unterstützung braucht (Beherbergung), bedarf es bei Pflegestufe sechs mehrerer Stunden. Wann welche Betten gefragt sind, lasse sich aber nur schwer voraussagen. Auch wenn Betten frei und damit Einnahmen ausbleiben, müsse man jederzeit genügend Personal zur Verfügung haben, um neue Patienten – egal in welcher Pflegestufe – aufnehmen zu können. Abhilfe verspricht das Land Tirol hier durch die geplante Änderung der Gebührenverrechnung – derzeit laufen dazu Pilotphasen in einigen Tiroler Heimen. (jazz)

Verschuldungsgrad gesunken

Zufrieden, weil ohne Diskussion einstimmig durchgewunken, zeigte sich Kufsteins Gemeinderat bei der jüngsten Sitzung mit der Jahresabrechnung 2018. Im ordentlichen Haushalt bleiben am Ende 670.000 Euro, im außerordentlichen Haushalt besteht ein Überschuss von knapp 1,2 Mio. Euro. Insgesamt steigt Kufstein damit 2018 mit einem administrativen Plus von 1,87 Mio. Euro aus.

Die Gemeinde musste 2018 auch den geringeren Rechnungsüberschuss des Vorjahres ausgleichen — 1,5 Mio. Euro waren zur Sicherung des Haushaltsgleichgewichts und der Projekte im außerordentlichen Haushalt (z. B. Festung, Kultur Quartier) notwendig gewesen. Dies konnte man durch einen „äußerst strengen Haushaltsplanvollzug" erreichen, so BM Martin Krumschnabel.

Die fortlaufenden Einnahmen von 52,31 Mio. Euro überstiegen die des Vorjahres um 3,16 Mio. Euro. Dem gegenüber stehen 50,25 Mio. Euro an Ausgaben, immerhin um 2,16 Mio. weniger als 2017. Zurückzuführen sei dies in erster Linie auf die gute Wirtschaftslage: Es gab mehr Einnahmen sowohl bei den städtischen Steuern als auch bei den Abgabenertragsanteilen.

2018 wurden 2,32 Mio. Euro an Schuldendienst bezahlt. Der Schuldenstand beträgt aktuell 23,84 Mio. Euro. Ursprünglich war aber das Ziel von 22,91 Mio. angepeilt — was nicht erreicht werden konnte. Die Gemeinde gilt trotz gesunkenen Verschuldungsgrades (minus 12,81 %) mit 52,97 % weiterhin als stark verschuldet (51 bis 80 %). (jazz)

„Das Problem können wir mit Geld nicht richten, weil wir keine Leute finden.“ Martin Krumschnabel (Bürgermeister)
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