Neue Verkehrslösung östlich von Hall soll bis Jahresende stehen

Rund 250 Bürger diskutierten intensiv über eine Autobahnanbindung östlich von Hall – viele favorisieren eine Variante beim Gewerbepark Mils.

Holten sich ein Stimmungsbild ab: v. l. Verkehrsplaner Werner Rosinak mit Vertretern der Planungsgemeinden: Heidi Profeta (Gnadenwald), Peter Hanser (Mils), Eva Posch (Hall), Arno Guggenbichler (Absam), Romed Giner (Rum) und Christoph Walser (Thaur).
© Domanig

Hall –Die massive Verkehrsbelastung ist seit Jahren das brisanteste Thema in der Region Hall. Nun ist die Kernfrage einer zusätzlichen Auto­bahnanbindung zurück am Tapet. Ein Überblick.

1Ausgangslage: Die „Spange Hall-Ost“, von der man sich vor allem in Ost-West-Richtung eine Entlastung erhoffte, ist 2015 nach dem Nein in Mils gescheitert. Also verkündeten das Land und der Planungsverband Hall und Umgebung einen Neustart – und beauftragten dafür die Verkehrsplaner Werner Rosinak und Helmut Köll. Zunächst lag der Fokus auf Verbesserungen bei den Öffis – dieser Prozess läuft – und der Entwicklung eines regionalen Radwegekonzepts (die TT berichtete). Nun wendet man sich wieder einer Straßenverbindung zur A12 Inntalautobahn zu. Dabei setzt man laut Rosinak aber auf eine „ganz andere Vorgangsweise“ als zuletzt: Statt ein fixfertiges Projekt vorzulegen, holte man nun – nachdem mit Land und Asfinag die Rahmenbedingungen abgesteckt wurden – ein „Stimmungsbild“ der Bevölkerung zu möglichen Varianten ein. Rund 250 Besucher folgen am Dienstagabend der Einladung ins Kurhaus Hall. Ziel laut Rosinak: Der Kriterienkatalog der Asfinag, mit dem diese alle Anschlussstellen bewertet („Erweiterte Strategische Analyse“), soll um Kriterien ergänzt werden, die die Interessen der Region und der Bürger abbilden.

2Mögliche Varianten: Die Experten haben den Bereich für eine neue Autobahnanbindung auf das Gebiet zwischen dem östlichem Ortsrand von Hall und dem Milser Gewerbepark eingegrenzt. „Alles, was westlicher liegt, reicht zu weit ins Siedlungsgebiet von Hall“, so Rosinak, „und je weiter man nach Osten geht, umso weniger verkehrs­wirksam ist die Lösung.“

Vier Hauptvarianten wurden zur Diskussion gestellt: Die erste sieht eine „Optimierung im Bestand“ vor, d. h. ohne neue Straßen, dafür mit Verkehrsberuhigung, Busbevorrangung, Querungshilfen, Radrouten etc. So soll auch der „Verkehrswiderstand“ für Autos auf der B171 zwischen Hall und Mils erhöht werden. Variante 2 („lange Südumfahrung“) entspricht der Spang­e Hall-Ost: Sie umfasst eine teilweise Neutrassierung der B171, über eine neue Brücke nahe der Mündung des Haller Gießen würde der Verkehr auf die Südseite des Inns gelangen. Dort entstünden ein „Halbanschluss“ Richtung Unterland sowie eine Verbindung nach Westen – über die L9 – zur bestehenden Anschlussstelle Hall-Mitte. Im Gegensatz zu 2014 stellt man aber auch eine Vollanschluss-Variante zur Debatte.

Variante 3 verliefe ähnlich, aber ausschließlich auf Haller Gemeindegrund. Auch hier werden Halb- und Vollanschluss untersucht. Die vierte Variante sieht die Verbindung von der B171 über den Inn zur Autobahn viel weiter im Osten vor, beim Milser Gewerbe­park östlich des „Sautrogs“. Hier wäre laut Experten nur ein Vollanschluss sinnvoll, der Weg bis Hall-Mitte zu weit.

3Erste Einschätzung der Bevölkerung: Nach intensiver Arbeit in Gruppen von zehn bis zwölf Bürgern zeichnete sich am Dienstagabend in ersten Rückmeldungen ein gewisser „Ergebnisdrift“ (Rosinak) ab: Größten – wenn auch keineswegs einhelligen – Zuspruch gab es für einen Vollanschluss beim Milser Gewerbepark und/oder Variante eins (Verbesserungen im Bestand). Starke Bedenken brachten viele Bürger gegen die Varianten 2 und 3 vor, vor allem wegen des Flächenverbrauchs und Naturschutzbedenken (Stichwort: Guggerinsel am Inn). Mehrfach eingefordert wurden stärkeres Augenmerk auf den Nord-Süd-Verkehr und weiterer Öffi-Ausbau, etwa ein­e S-Bahn-Station in Mils.

4Wie geht es jetzt weiter? Man werde die Vorschläge der Bevölkerung nun genau auswerten und bei einer zweiten Veranstaltung im Herbst rückmelden, „was wir aufgegriffen, aber auch begründet verworfen haben“, sagt Rosinak. Über den Sommer wird zudem ein neues Verkehrsmodell aufgesetzt, mit aktuellen Verkehrszählungen und -berechnungen. Gegen Jahres­ende sollen alle Daten zu einer Variantenempfehlung gebündelt werden. Konkrete Planungen dürften also erst 2020 beginnen. (md)


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