Spielerisch mit Problemen besser umgehen

An der VS Hötting-West gibt es ein Schulprojekt, das bis dato in Tirol einzigartig ist: Lehrer arbeiten quasi spielerisch mit Therapeuten im Sinne der Kinder und Eltern zusammen.

Kinder, die sich in der "Ich-Du-Gruppe" treffen, profitieren nachhaltig von einem therapeutischen Spiel. Etwa 100 Kinder waren bisher dabei.
© Michael Kristen

Von Liane Pircher

Innsbruck –Auf den ersten Blick ist es ein großes Spielzimmer, ausgerüstet mit einer Menge an Decken, Pölstern und Spielsachen. Was der Fotograf vor die Linse bekommt (siehe Fotos), ist der Raum der so genannten „Ich-Du-Gruppe“ an der VS Hötting-West. Für die Volksschuldirektorin Brigitte Staudt und Lehrerin Elisabeth Wilhelmy-Weiss ist dieses Zimmer etwas Besonderes, denn hier werden ausgewählte Kinder der Schule in ihrer Entwicklung regelmäßig unterstützt – und zwar von einem Team aus (Psycho-)Therapeuten, die extra dafür an die Schule kommen.

Für Außenstehende ist es ein großes Spielen, das hier stattfindet. Für die Experten passiert in dem angeleiteten therapeutischen Spiel viel mehr: „Egal, ob wildes Turbo-Kind oder ruhiges, schüchternes Kind, hier erleben die Kinder einen sicheren Ort, an dem man jedem Einzelnen eine spezielle Aufmerksamkeit geben kann. Das macht mit den Kindern etwas. Sie gehen gerne und freiwillig dorthin“, erklärt Elisabeth Grosinger-Spiss, Therapeutin, Pädagogin und Leiterin der Gruppe. Den Lehrern würde im Schulalltag dafür oft die Zeit fehlen. Diese können zwar auf Logopäden oder sonderpädagogische Unterstützung zurückgreifen, das ist oft aber nicht ausreichend. Häufige Probleme, mit denen die Pädagoginnen konfrontiert werden, sind u. a. Kinder, die sich nicht konzentrieren können, sich mit Stillsitzen schwertun oder mit mangelnder Impulskontrolle „die Klasse aufmischen“.

Entstanden ist die Idee zu dem Pilotprojekt vor zehn Jahren, man wollte daraus „nie eine große Sache“ machen, sich zuerst die Entwicklungen ansehen. Heute könne man mit Stolz von Erfolgen sprechen: „Wir haben tolle Entwicklungen erlebt, wir haben gesehen, wie positiv sich die Gruppe auf teils schwierige, auffällige Kinder mit Aggressions- oder Angststörungen ausgewirkt hat“, erzählen die Lehrerinnen. Sie würden sich für jede Schule, alle Kinder und Lehrer in Tirol eine solche „Ich-Du-Gruppe“ wünschen – vor allem deshalb, weil auch die Eltern davon profitieren. Sie werden mit ins Boot geholt, wenn es darum geht, ein Kind für diese Gruppe vorzuschlagen. Auch das wirkt. Nicht zuletzt, weil die Kinder vom therapeutischen Spiel viel in den Alltag mitnehmen. Es gebe, erklärt Grosinger-Spiss, immer eine Soll-Ziel-Erklärung. „Das Besondere an dem Projekt ist die kontinuierliche Vernetzung von Therapeuten und Schule abseits des Klassensystems“, erklärt Christian Kraler, Leiter und Bildungsforscher an der Uni Innsbruck. Finanziert wird das Projekt übrigens kostengünstig, nämlich mit 4000 Euro seitens der Stadt Innsbruck und 2000 Euro vom Land. LR Palfrader unterstützt diese Idee. Aktuell bleibt die „Ich-Du-Gruppe“ aber ein einzelner Leuchtturm der VS Hötting West.

Beteiligte der einzigartigen „Ich-Du-Gruppe“ (v. l.): Alexandra Sekerovic, Iris Trawöger, Christian Kraler, Brigitte Staudt, Elisabeth Grosinger-Spiss, Barbara Haid, Elisabeth Wilhelmy-Weiss.
© Michael Kristen
Auf den ersten Blick befindet man sich in einem großen Spielzimmer.
© Michael Kristen

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