An der Tischtennis-Platte ist nicht mehr alles grün

Bei der TI stapeln sich die Sorgen: Der Verein fühlt sich vom ÖTTV hintergangen. Talente stehen vor dem Abgang, ein Team vor dem Aus.

Bei der Turnerschaft Innsbruck (mit Stefan Leitgeb) häufen sich nach Saisonende und dem letzten Bundesliga-Rang die Sorgen.
© Kristen

Von Roman Stelzl

Innsbruck –Sportlich gesehen war der Kampf um den vorletzten Platz in der Tischtennis-Bundesliga ein kleines Drama. Mit dem 4:2-Sieg der Turnerschaft Innsbruck (TI) zuhause am Sonntag gegen Baden blieb den Tirolern nur wegen dem Spielverhältnis um gerade einmal ein Spiel der neunte und letzte Rang. Viel knapper geht es kaum. Dabei ist es scheinbar nicht das einzige Drama, das Tirols erstklassiger Verein derzeit durchlebt. Ein kleiner Rückblick, ein großer Ausblick.

Bundesliga: Der letzte Platz war für die Innsbrucker heuer kein Malheur. „Es gibt eine Bundesliga-Reform, wir können daher nicht absteigen“, erklärte Spieler Stefan Leitgeb zuletzt. Demnach wird der derzeitige Betrieb von neun auf 16 Teams erweitert und auf zwei Gruppen zu je acht aufgeteilt – die TI spielt in der „unteren Gruppe“ mit. „Sportlich sind wir positiv gestimmt, wir spielen ja ausschließlich mit Eigenspielern“, sagt TI-Leiter Hüseyin Karaagac.

Kritik am Verband: Gar nicht positiv gesinnt sind die TI-Akteure dem Österreichischen Tischtennis-Verband (ÖTTV). „Beim ÖTTV wird mit zweierlei Maß gemessen, wir sind immer die Benachteiligten. Im Osten Österreichs halten die Wiener Vereine mehr zusammen“, erklärt Karaagac. Schon ältere Fälle (Spielertausch, Transfers, etc.) erregten die Gemüter, nun ließ das letzte Duell gegen Baden das Fass überlaufen. Grund: Wegen der Verspätung eines Spielers der Gäste soll es eine Verschiebung gegeben haben.

Abwerben der Talente: „Wir haben ein riesiges Problem“, erzürnt Karagaac die Vorgehensweise im Umfeld des Tiroler Verbandes (TTTV): Demnach würden die eigenen Talente von „selbsternannten“ Spielerberatern mit Funktion im Verband nach Deutschland vermittelt werden. Zwei Spieler der Mannschaft der zweiten Bundesliga (TI II) stünden vor dem Absprung in die Regionalliga des Nachbarlandes. Damit droht der Mannschaft sogar die Auflösung. Karaagac: „Das ist eine fatale Entwicklung. Wir haben die besten vier Spieler Tirols im Team vereint, haben jahrelange Arbeit und viel Geld reingesteckt, damit sie für uns in der Bundesliga spielen. Wenn uns diese Spieler nun abhandenkommen, können wir wohl keine zweite Mannschaft mehr stellen.“ Das Niveau der beiden Ligen (deutsche Regionalliga, zweite österreichische Liga) sei gleich hoch, ein Nutzen dadurch nicht gegeben.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Jetzt testen
TT ePaperTT ePaper

Abgang: Fix ist auch, dass Ali Noor M Alkhadrawi, kurz „Ali“, kommende Saison nicht mehr für die Innsbrucker am Bundesliga-Tisch steht. „Ali wird uns verlassen, er ist bei vielen Bundesliga-Vereinen im Gespräch“, so Karaagac. Krisztian Gardos, Christoph Maier und Stefan Leitgeb bleiben dem Verein aber erhalten. Dafür zeigt sich weiter unten eine positive Entwicklung. In den Nachwuchsklassen soll es heuer um 40 Prozent mehr Spieler geben. Sie sollen die Zukunft des Tiroler Tischtennis sein. Und das möglichst bald.


Kommentieren


Schlagworte