Wien wird wieder Sitz eines armenisch-apostolischen Bischofs

Wien/Etschmiadsin (APA) - Mit der Erwählung von Patriarchaldelegat Tiran Petrosian zum Bischof wird Wien wieder zum Sitz eines armenisch-apo...

Wien/Etschmiadsin (APA) - Mit der Erwählung von Patriarchaldelegat Tiran Petrosian zum Bischof wird Wien wieder zum Sitz eines armenisch-apostolischen Bischofs. Der Katholikos-Patriarch aller Armenier Karekin II. wird laut der Nachrichtenagentur Kathpress Petrosian am 12. Mai in Etschmiadsin zum Bischof weihen. Der Begrüßungsempfang für den neuen Bischof findet am 17. Mai statt.

Am 19. Mai wird Bischof Tiran erstmals in der armenisch-apostolischen Kirche St. Hripsime im 3. Wiener Bezirk ein Pontifikalamt zelebrieren. Das berichtete die Wiener Stiftung „Pro Oriente“ am Ostersonntag.

Als Patriarchaldelegat ist Petrosian für Mitteleuropa und somit für Österreich, die Tschechische Republik und die Slowakei sowie Skandinavien zuständig. In einer ersten Stellungnahme betonte der neuerwählte Bischof, er übernehme das Bischofsamt mit großer Demut, aber auch mit Stolz auf die „wunderbare Tradition unserer armenisch-apostolischen weltoffenen Kirche“. Sein Herz schlage für die Gläubigen in seiner „so großen Diözese, aber gleichzeitig auch für die christlichen Mitbrüder“.

Die armenisch-apostolische Kirche in Österreich unterhält über die Stiftung „Pro Oriente“ ein besonders gutes Verhältnis zur römisch-katholischen Kirche, aber auch zu den anderen christlichen Kirchen gibt es enge Beziehungen vor allem durch die Mitarbeit der armenischen Kirche im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich.

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Petrosian hat an der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät studiert. Er promovierte 2009 im Fachbereich Liturgiewissenschaft und Sakramententheologie über das Thema „Die liturgischen Reformen von Katholikos Simeon I. Erewantsi (1763-1780): Liturgisches Jahr und Kalendarium der Armenischen Kirche“. Die Katholisch-Theologische Fakultät hat ihrem Absolventen bereits auf ihrer Website zur Bischofsweihe gratuliert. Als Patriarchaldelegat wirkt Petrosian seit 2013 in Wien.

In Österreich leben seit dem 17. Jahrhundert Angehörige der armenisch-apostolischen Kirche - unter ihnen war damals u.a. Johannes Diodato, der das erste Wiener Kaffeehaus begründete. Der bei den Österreichern beliebte und berühmte armenische Arzt Stephan Avedik (1804-1884) wohnte im 15. Bezirk Wiens, nach ihm wurde dann auch die Avedikstraße benannt (1894).

Nach dem 1. Weltkrieg siedelten sich viele armenische Familien aus dem einstigen Osmanischen Reich in Österreich an. Etliche von ihnen führten berühmte Teppichfirmen und waren in Österreich als „vertrauenswürdige und ehrliche Kaufleute“ bekannt. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs nahm der Armenier Raoul Aslan (1886-1958) die Position des Burgtheaterdirektors ein. Mit seinem Namen sind die Wiederbelebung und der Erfolg des Burgtheaters verbunden. Heute findet man seine Büste in der Eingangshalle des Wiener Burgtheaters, beerdigt ist er auf dem Grinzinger Friedhof.

In den 1950er-Jahren kamen viele armenische Studenten aus dem Iran, Griechenland, der Türkei und den arabischen Ländern nach Österreich, um hier zu studieren. Einige von ihnen beschlossen nach dem Studium, sich hier niederzulassen. In den 1960er-Jahren waren viele armenische Familien aus der Türkei unter den „Gastarbeitern“, die damals nach Österreich kamen. Der größte Zustrom von Armeniern nach Österreich erfolgte während der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre. Die Übersiedler stammten hauptsächlich aus dem Libanon und Iran, aufgrund der dortigen instabilen politischen Situation. Anfang der 1990er-Jahre kamen viele Armenier aus den früheren Sowjetrepubliken nach Österreich.

Die Anzahl der Armenier in Österreich wird jetzt auf rund 8.000 geschätzt, die meisten von ihnen sind in den Bereichen Gesundheit, Wissenschaft, Bauwirtschaft, Rechtswesen, Musik, Verlagswesen, Kunst beschäftigt. Die überwiegende Mehrheit der Armenier wohnt in Wien und Umgebung, eine kleine Anzahl von Armeniern hat sich in Graz, Salzburg, Linz, Klagenfurt, Innsbruck usw. angesiedelt.

Wesentlichen Anteil am Aufbau der armenisch-apostolischen Kirche in Österreich hatte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der aus Aleppo stammende armenische Priester, Theologe und Vorkämpfer der Ökumene Mesrob Krikorian, der 1986 zum Bischof ernannt wurde und 2017 im 85. Lebensjahr verstarb. 1968 wurde die Kirche St. Hripsime im 3. Bezirk geweiht, 1980 errichtete der damalige Katholikos-Patriarch Vazken I. die neue Diözese für Mitteleuropa und Skandinavien mit Sitz in Wien.

(Alternative Schreibweise: Etschmiadzin, Petrosyan)


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