EU-Gemeinderäte versuchen junge Wähler zu bewegen

Bei der Europawahl 2014 stimmten nur 35 % der Wahlberechtigten in Tirol ab. Das wollen drei EU-Gemeinderäte aus dem Bezirk Schwaz heuer ändern.

Die EU-Gemeinderäte Klaus Gasteiger (Kaltenbach), Viktoria Gruber (Schwaz) und Ludwig Glaser (Stumm) wollen die Wahlbeteiligung bei der EU-Wahl im Bezirk Schwaz nach oben schrauben.
© Fankhauser

Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz –Ein Bild mit allen europäischen Ländern in gelber Farbe. Überall poppen spannende Fakten zur Europäischen Union auf. In großen Lettern steht: „Was macht Europa aus? Frieden und Freiheit.“ – So sieht einer der jüngsten Einträge von Klaus Gasteiger auf seiner Facebook-Seite aus. Der Kaltenbacher Bürgermeister will damit motivieren, zur EU-Wahl zu gehen. Aber nicht, um für die SPÖ oder irgendeine andere Partei Werbung zu machen. Sondern, um für die Wahl zu werben. Immerhin gaben nur 42,61 Prozent aller Berechtigten in ganz Europa bei der letzten Wahl 2014 ihre Stimme ab. In Tirol waren es knapp 35 Prozent – die niedrigste Wahlbeteiligung in ganz Österreich.

Eine Zahl, die auch Viktoria Gruber (Grünen-Stadträtin in Schwaz) und Ludwig Glaser (VP-Gemeindevorstand in Stumm) den Kopf schütteln lässt. Noch deutlicher wird es bei den jungen Wählern. Nur etwa fünf Prozent der 16- bis 25-Jährigen gaben 2014 ihre Stimme ab. Das soll sich bei der Wahl am 26. Mai 2019 ändern. Die drei Gemeindevertreter sind nämlich so genannte EU-Gemeinderäte und wollen die Menschen – vor allem die Jugend – im Bezirk zum Wählen motivieren.

„Wir wollen die Tiroler und vor allem die Wähler im Bezirk Schwaz aufrütteln. Uns geht es nicht um eine politische Richtung“, betont Gasteiger. Für Viktoria Gruber beginnt die EU in der Gemeinde. „Als EU-Gemeinderäte wollen wir europäische Themen lokal verankern und die EU sichtbarer machen“, sagt sie. Im Bezirk Schwaz gibt es 27 EU-Gemeinderäte. „Es gibt Themen, die kann man nicht parteipolitisch lösen, wie etwa die Klimakrise, soziale Standards oder die Verkehrsproblematik“, sagt Gruber.

Laut Glaser ist das Image der EU „nicht gerade das beste“. Das gelte es zu ändern. Er hat bereits Kontakt zu Jugendlichen gesucht und will sich auch in den nächsten Wochen vor Schulen im Bezirk platzieren, um dort mit jungen Schwazern über die EU-Wahl zu sprechen. „Gerade die Jugend bestimmt damit ja ihre eigene Zukunft wesentlich mit“, sagt Glaser.

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Was haben junge Wähler von der EU? „Unsere Jugend ist in Wohlstand und mit der Digitalisierung aufgewachsen. Für sie ist vieles selbstverständlich, wie das Reisen ohne Grenzen, Studieren im Ausland oder das Arbeiten in anderen EU-Ländern“, sagt Gasteiger. Man habe vergessen, wie es ist, dafür kämpfen zu müssen, sich für solche Dinge einzusetzen, findet auch Gruber. Vieles habe die EU erst möglich gemacht, das früher undenkbar war und heute als selbstverständlich angesehen werde. „Diese Freiheiten können wir schnell wieder verlieren“, sagt Gruber.

Die drei EU-Gemeinderäte versuchen auf allen Kanälen die Leute zu erreichen und ihnen zu erklären, wie wichtig es ist, dass sie von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. „Ich mache es hauptsächlich über Facebook und auf unserer Gemeindehomepage machen wir prominent darauf aufmerksam“, sagt Gasteiger. Gruber ist zudem auf Instagram, wo sie vor allem die jungen Wähler erreichen möchte. Auch Glaser nutzt Social Media, um die Wahlbeteiligung zu erhöhen.

Alle Infos zur Europawahl am 26. Mai 2019 gibt es unter www.diesmalwaehleich.eu.

EU-Gemeinderat

Was sind EU-Gemeinderäte? Mit der Initiative „Europa fängt in der Gemeinde an“ wurde es für Gemeinderäte und Bürgermeister ab 2010 möglich, sich zu einem EU-Gemeinderat fortzubilden. Die Nominierung dazu obliegt jeder Gemeinde selbst. Nach der Anmeldung stehen Vernetzungstreffen und Info-Veranstaltungen auf dem Programm.


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