Barbara „Bobs“ Schusteritsch: Zuerst Heimweh, dann zum Erfolg

Barbara „Bobs“ Schusteritsch hat vor zehn Jahren ihre Schneiderwerkstatt „bobs“ in Lienz aufgemacht. Sie will den Anfängen treu bleiben und weiterhin Mode unter dem Motto „kreativ, regional, stylisch“ anbieten.

Vom Entwurf bis zum fertigen Kleidungsstück fertigt Barbara Schusteritsch in ihrer Schneiderei „bobs“ Kleinserien und Unikate.
© Christoph Blassnig

Von Christoph Blassnig

Lienz –Vor zehn Jahren hat Barbara „Bobs“ Schusteritsch, Absolventin der Salzburger Modeschule Hallein, in der Lienzer Schweizergasse ihre Schneiderei „bobs“ aufgemacht. „Ich habe zuvor ein paar Jahre lang gearbeitet. Das Heimweh wurde schließlich zu groß und ich wollte zurück nach Lienz, obwohl es hier keine Arbeit gab.“ Also gründete Schusteritsch ihr eigenes Geschäft. Es bestand aus nur einem Raum, 38 Quadratmeter groß. Dieser diente zugleich als Werkstatt und Schauraum. „Die Herrenkollektion befand sich hinter der Tür“, schmunzelt die Schneiderin. „Trat jemand ein, war die komplette Herrenabteilung verdeckt.“ Unvorstellbar sei inzwischen, wie dort alles so lange Platz gefunden hat.

Jedes Stück ist handgenäht.
© Schusteritsch

Denn im August des Vorjahres ließ der wirtschaftliche Erfolg den Umzug in moderne Räumlichkeiten im ehemaligen Glöcklturm in der Pfarrgasse zu. Die Fläche hat sich damit mehr als verdreifacht. Durch die Glasfassade zur vielfrequentierten Straße hin sei das Geschäft weiter bekannt geworden, ist Schusteritsch überzeugt. „Die Leute sehen uns häufig beim Arbeiten zu, vor allem, wenn es draußen dunkel ist.“ Der Schauraum befindet sich im Erdgeschoß, über eine Treppe gelangt man zu den Arbeitsplätzen. Hier entstehen Kleidungsstücke und alles, was man nähen kann, nach eigenen Entwürfen und in Handarbeit.

„bobs“ ist inzwischen zur Marke geworden und über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt. Die Gründerin arbeitet nicht mehr alleine, sondern hat vor vier Jahren in Julia Urbantschnig aus Nikolsdorf Unterstützung gefunden, die wie sie selbst die Modeschule Hallein besucht hat. „Wir arbeiten gut zusammen, haben unsere Arbeitsplätze direkt gegenüber. Unsere Tätigkeit ist sehr abwechslungsreich“, sagt Schusteritsch. Neben eigenen Kollektionen, Maßanfertigungen und Haute-Couture-Kleidern, die zum Teil mit Preisen ausgezeichnet wurden, gehören auch Hotelausstattungen zum Aufgabenbereich: Von Kleidung für das Personal über Speisekarten aus Leder bis hin zu Vorhängen reicht die Produktpalette für exklusive Gastronomen und Unterkunftgeber. „Die Anfänge will ich bei allem Erfolg nie vergessen“, erinnert sich die Schneiderin. Vor allem Änderungen und Reparaturen von Kleidungsstücken hätten das tägliche Geschäft anfangs am Laufen gehalten und die Teilnahme an Modeschauen ermöglicht. „Wir lassen unsere Kunden jetzt nicht im Regen stehen. Wir bieten beides weiterhin an.“ An einer Kleiderstange im Werkstattbereich reiht sich deshalb Stück an Stück und wartet auf die Durchführung der Änderungen.

Die Erfüllung der Wünsche und Bedürfnisse der Kunden machten die ganze Bandbreite der Arbeiten deutlich, führt Schusteritsch aus. „Da kommt der alleinstehende Bergbauer zum Knopfannähen genauso herein wie die Dame, die ein Abendkleid um mehrere tausend Euro maßangefertigt haben möchte.“ Hose, Rock, Jacke, Bluse, T-Shirt, darüber hinaus würden die Leute mit den verrücktesten Ideen kommen – für Damen, Herren, Kinder jeden Alters. „Selbst für Tiere und alle möglichen Dinge haben wir schon kreative Hüllen nach Maß geschneidert. Was möglich ist, setzen wir auch um.“

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© Christoph Blassnig

„Bobs“ eigene Modelinie sei mit drei Begriffen beschrieben: kreativ, regional, stylisch. „Und regional meine ich wörtlich“, sagt die Unternehmerin. Sämtliche Kollektionen werden in Kleinserien in Lienz von Hand gefertigt. Sämtliche Drucksorten, Kataloge, Fotografien, Modelle, der Onlinehandel auf shop.bobs.at, alles kommt aus Osttirol. Die Ausgangsmaterialien und Stoffe bezieht Schusteritsch aus der Europäischen Union und nicht aus Billiglohnländern, in denen menschliche Ausbeutung und der Einsatz von Chemikalien aller Art auf der Tagesordnung stehen würden. „Eine Massenfertigung im Ausland kommt für mich nicht in Frage. Es ist längst an der Zeit, umzudenken und einen fairen Weg von Mode zu gehen“, meint die Schneiderin. „Wir brauchen Arbeitsplätze für unsere jungen Leute, damit sie nicht aus unserer Heimat abwandern. Wir haben das selbst in der Hand.“

Das zehnjährige Bestehen ihrer Schneiderei in Lienz feiert Barbara „Bobs“ Schusteritsch am Freitag, 10. Mai. Ab 19 Uhr findet eine Modeschau statt. 30 Modelle haben ihren Auftritt zugesichert. Den ganzen Tag über wird es im Geschäft Einzelstücke zu Aktionspreisen geben. Die ersten 50 Gäste erwartet eine Überraschung. Die Band Suntown Music spielt von 18.30 bis 22 Uhr live vor dem Geschäft.

Ihr Motto: "kreativ, regional, stylisch".
© Christoph Blassnig

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