Eklat um Salvini-Biografie: Autoren boykottieren Turiner Buchmesse

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Rom (APA) - Die am Donnerstag (9. Mai) beginnende Buchmesse von Turin ist in den Mittelpunkt einer scharfen politischen Auseinandersetzung gerückt. Mehrere Autoren, darunter der bekannte Historiker Carlo Ginzburg, kündigten ein Boykott der Buchmesse aus Protest gegen den römischen Verlag Altaforte an, der in Turin eine Biografie von Innenminister Matteo Salvini präsentiert.

Der Verlag stehe im Besitz eines bekennenden Neofaschisten, Francesco Polacchi, lautet der Vorwurf. „Io sono Matteo Salvini“ („Ich bin Matteo Salvini“) lautet die Biografie über den starken Mann der italienischen Politik, die die Journalistin Chiara Giannini in Form eines Interviews geschrieben hat. Der Verlag Altaforte, der die Biografie jetzt auf den Markt bringt, soll enge Beziehungen zur rechtsextremen Partei CasaPound unterhalten. Polacchi selbst habe gute Verbindungen zu Salvini, berichteten italienische Medien.

„Eine Buchmesse, die vom italienischen Kulturministerium unterstützt wird, darf nicht zum Sprachrohr für nazifaschistischer Propaganda werden“, begründeten die Kunsthistoriker Salvatore Settis und Tomaso Montanari ihren Beschluss, von der Turiner Buchmesse fern zu bleiben. Auch die Bürgermeisterin Turins, Chiara Appendino, kritisierte Polacchi, der sich als „Faschist“ bekannte und „Antifaschismus“ als „wahres Übel“ Italiens bezeichnete.

Sergio Chiamparino, Präsident der Region Piemont, zu der Turin gehört, meinte, die juristischen Bedingungen für einen Ausschluss Altafortes von der bis zum 13. Mai laufenden Buchmesse seien nicht gegeben. Bücher sollten zur Diskussion anregen. Es sei nicht Aufgabe der Organisatoren, Alfafonte aus der Buchmesse auszuschließen.

Polacchi erklärte sich wegen des Eklats um die Präsentation von Salvinis Biografie bei der Buchmesse überrascht. „Wir hatten zwar mit Polemik gerechnet, nicht mit einem derartigen Niveau von Boshaftigkeit. Man droht uns sogar mit Bomben“, beschwerte sich Polacchi.

Zur Debatte äußerte sich auch Innenminister Salvini, dem verübelt wurde, Altaforte als Verlag für seine Biografie gewählt zu haben. Der Lega-Chef erklärte, er habe nicht selber gewählt, in welchem Verlag seine Biografie erscheinen solle. Der Beschluss zum Verlag habe allein Autorin des Buchs gefasst, erklärte Salvini.


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