Konzertreihe

Die Knödel: Wunderbares für wunde Seelen

In den kommenden Monaten gastieren Die Knödel gleich mehrfach in Tirol: Am Freitag um 11 Uhr gibt es ein „meet and greet“ im Musikladen am Innsbrucker Sparkassenplatz. Am 14. Juli tritt das Ensemble beim Stummen Schrei im Zillertal auf.
© Kapferer-Seebacher

Mit „Still“ legen Die Knödel ein großartiges Reunion-Album vor. Sie präsentieren es unter anderem beim anstehenden „Musik im Riesen“-Festival in Wattens.

Innsbruck –Beschwingt, fast schon übermütig, schraubt sich „Wörgl, wunderbar“ hinauf – und bricht knapp vor dem Höhepunkt: Melancholie macht sich breit, feinziseliert. Unweigerlich denkt man an Nino Rotas Kompositionen für „Amarcord“, das so nostalgiegetränkte und doch schonungslose Erinnerungswerk von Federico Fellini. Mit dem verspielten Tonsetzer Rota, das braucht nicht verschwiegen werden, sind Die Knödel schon früher verglichen worden. Früher, das heißt vor gut 20 Jahren, bevor sich das wegweisende Ensemble um Fagottist und Zithervirtuosen Christof Dienz 2000 trennte. Im Vorjahr kündigte Dienz die Reunion der Knödel an. Nach mehreren umjubelten Auftritten liegt nun mit „Still“ das erste Album nach der Neugründung vor. „Wörgl, wunderbar“, das die Platte eröffnet, ist im Grunde eine Auftragsarbeit, der Score für Urs Eggers preisgekrönten TV-Film „Das Wunder von Wörgl“. Doch man muss den Film nicht gesehen haben, um in diese Musik einzutauchen. Im Gegenteil: Ohne die Aufgabe, eine Dramaturgie stützen oder konterkarieren zu müssen, kommt das Frische, das wahrhaft Wunderbare dieses filigranen Kleinods zur Geltung.

Danach, im Titeltrack „Still“, wird es rhythmisch wilder, doch auch diesem – nun deutlicher ausformulierten – Übermut ist nicht zu trauen: In der Mitte des Stücks übernimmt wehklagendes Violinspiel. Ähnlich vielgestaltig geht es weiter. „Nah am Bach“ besticht durch nervösen Spannungsaufbau: Man wähnt sich nicht mehr in der Nachbarschaft von Rota, sondern unweit seines Kollegen Ennio Morricone – von nicht allzu fern grüßt Namenspatron Johann Sebastian Bach. In „Wir brennen“, dem einzigen Vokalstück der Platte, mündet die Liebeslust eines Paares in einem abgründigen Marsch (mit rührend erfüllendem Happy End).

Insgesamt elf Stücke sind auf „Still“ versammelt, von der funkelnden Beschwörung des Feuers („Frisch wie Feuer“) über einen „Veitstanz“ bis zur augenzwinkernd dramatischen „Gasthausmusik“: ein Fest für gespitzte Ohren – und Balsam für mehr oder weniger wunde Seelen. Gut, dass es sie wieder gibt, diese Knödel. (jole)

Musik im Riesen 2019

Mittwoch, 22. Mai: Pianist Paul Lewis spielt Werke von Josef Haydn, Johannes Brahms und Ludwig van Beethoven; ab 20 Uhr im Forum der Kristallwelten, Wattens.

Donnerstag, 23. Mai: Die Gruppe Knödel stellt ihre neue CD „Still“ vor; ab 20 Uhr im Forum der Kristallwelten Wattens.

Freitag, 24. Mai: Das Pavel Haas Quartet spielt Werke von Dimitri Schostakowitsch und Antonín Dvo­rák; ab 20 Uhr in der Schleifhalle der Werkstätte Wattens.

Samstag, 25. Mai: Das City of Birmingham Symphony Orchestra mit Pianistin Yuja Wang und geleitet von Mirga Gra?inyté-Tyla spielt Werke von György Ligeti, Robert Schumann und Johannes Brahms; ab 20 Uhr im Congress in Innsbruck.

Sonntag, 26. Mai: Klavierkonzert mit Aaron Pilsan (11 Uhr, Schleifhalle Wattens) und Messe mit Choropax Kammerchor Wattens und Marini Consort Innsbruck (20 Uhr, Marienkirche Wattens).