Film-Festival Cannes

Film-Legende Alain Delon: Frankreichs streitbarer Superstar

Magnetisch: Alain Delon 1964 in „Die Hölle von Algier“ .
© imago stock&people

Alain Delon wurde beim Filmfestival in Cannes mit der Goldenen Ehrenpalme für sein Lebenswerk gewürdigt. Die Ehrung des erzkonservativen Schauspielers war von Kontroversen begleitet.

Cannes –In einer umstritten­en Entscheidung ist die französische Film-Legende Alain Delon beim Festival in Cannes mit der Goldenen Palme für sein Lebenswerk geehrt worden. Der 83-Jährige reagierte gerührt auf die Auszeichnung, die ihm seine Tochter Anouchka am Sonntagabend unter dem donnernden Applaus des Publikums überreichte. „Es ist lange her, dass ich so viel geflennt habe“, sagte Delon.

Der Schauspieler präsentierte sich in seiner Dankesrede demütig und selbstironisch. „Heute Abend ist das ein bisschen wie eine posthume Hommage, nur dass ich noch lebe“, sagte er. „Ich werde gehen, aber ich werde nicht gehen, ohne mich bei Ihnen zu bedanken“, fügte Delon hinzu. „Wenn ich ein Star bin, dann will ich Ihnen dafür danken; dem Publikum verdanke ich das und niemandem sonst.“

Delon bedankte sich überdies bei den zwei Frauen in seinem Leben, der französischen Schauspielerin Mireille Darc und deren deutsche Kollegin Romy Schneider. Mit beiden war Delon nicht nur vor der Kamera, sondern auch privat zusammen gewesen.

„Es ist lange her, dass ich so viel geflennt habe“: Alain Delon erhielt am Sonntagabend die Goldene Palme für sein Lebenswerk.
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Gegen Delons Ehrung hatte es Widerstand von Feministinnen gegeben. Die US-Organisation Women and Hollywood warf dem Franzosen unter Berufung auf dessen frühere Äußerungen vor, er sei „rassistisch, homophob und frauenfeindlich“. Eine Petition gegen Delons Ehrung in Cannes bekam mehr als 25.000 Unterschriften.

Delon ging in seiner Dankesrede indirekt auf die Kritik an seiner Person ein. „Man muss mit mir nicht einverstanden sein“, sagte er. „Aber es gibt eine Sache, deren ich mir sicher bin, auf die ich stolz bin, wirklich nur eine, das ist meine Karriere.“ Dafür sei ihm die Goldene Palme zugestanden worden „und für nichts anderes“. In der Sonntagszeitung Journal du dimanche hatte Delon seinen Kritikern zuvor vorgeworfen, angebliche anstößige Äußerungen von ihm erfunden zu haben.

Wie das Branchenblatt Variety berichtete, hatte Delon 2018 in einem Interview zugegeben, Frauen geschlagen zu haben. Mehrfach sprach sich der erzkonservative Schauspieler öffentlich gegen das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare aus. Auch seine Nähe zu Jean-Marie Le Pen, dem Gründer der rechtspopulistischen Front-National, wurde kritisiert. Auf die Vorwürfe reagierte Festivaldirektor Thierry Frémaux gelassen. Man zeichne Delon nicht für seine politischen Ansichten, sondern als Künstler aus. Und auch Pierre Lescure, der Präsident des Filmfestivals, tat die Petition als „etwas sehr Amerikanisches“ ab.

Die Debatte zog jedoch weitere Kreise. Im französischen Rundfunk France Info sprach der ehemalige Kultur- minister Jack Lang von einer „Form des kulturellen McCarthyismus, der Künstler und Kreative davon abhalten will, ihre Arbeit zu tun, weil sie dies oder das gesagt haben“. Lang, der sich selbst als Feminist bezeichnete, fügte hinzu, man müsse zwischen dem Bürger Alain Delon und dem Künstler und Schauspieler unterscheiden.

Zu der Zeremonie am Sonntagabend in Cannes kamen auch Frankreichs Kulturminister Franck Riester und Festival-Präsident Pierre Lescure. Thierry Frémaux bekräftigte dabei seinen Standpunkt: Das Filmfestival in Cannes werde auch weiterhin „immer auf der Seite der Künstler“ stehen.

Alain Delon wurde Anfang der 1960er-Jahre mit Filmen wie „Nur die Sonne war Zeuge“ nach Patricia Highsmith, „Rocco und seine Brüder“ und „Der Leopard“ von Luchino Visconti und „Der eiskalte Engel“ von Jean-Pierre Melville bekannt. Seit Ende der 1980er-Jahre ist Delon nur noch selten im Kino zu sehen. Seine letzte größere Filmrolle spielte er 2008 in der Comic-Verfilmung „Asterix bei den Olympischen Spielen“. 1995 erhielt er den Ehrenbären der Berliner Filmfestspiele Berlinale. (APA, dpa, TT)