Bezirk Schwaz

Zillertal könnte einen Kinderarzt vertragen

© iStockphoto

SPÖ fordert eine Kassenstelle für einen Kinderarzt im Zillertal. LR Tilg und TGKK sind nicht abgeneigt. Dennoch sieht es nicht danach aus.

Von Eva-Maria Fankhauser

Ramsau i. Z. –Schon vor vier Jahren schlugen besorgte Eltern im Zillertal Alarm: Man brauche einen zusätzlichen Kinderarzt und zwar mit Kassenvertrag. Damals ordinierte noch ein Wahlarzt im Ramsauer Ärztehaus. Doch dieser musste aus gesundheitlichen Gründen die Ordination schließen. Seither gibt es im gesamten Zillertal keinen Kinderfacharzt mehr.

Knapp die Hälfte der rund 80.000 Einwohner des Bezirkes Schwaz wohnen im Zillertal. „Trotz der steigenden Wohnbevölkerung und der Größe der Region Zillertal ordinieren im gesamten Bezirk Schwaz nur vier Ärzte für Kinder- und Jugendheilkunde – zwei in Schwaz und zwei in Jenbach“, heißt es im SPÖ-Antrag an den Tiroler Landtag. Sie fordern eine Kassenarztstelle.

Dass viele im Zillertal sich einen Kinderarzt wünschen, ist nichts Neues. Doch aus dem Wunsch der SPÖ für die direkte Umsetzung wurde eine schwammige und unformulierte Entschließung: Man wolle die Bedarfs- und Angebotssituation prüfen und zusammen mit der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK) und Ärztekammer Tirol im Bedarfsfall entsprechende Initiativen zur Errichtung weiterer Kassenarztstellen setzen.

„Es kann nicht sein, dass es im ganzen Zillertal keinen Kassenarzt für Kinder- und Jugendheilkunde mehr gibt“, ärgert sich Robert Palaver, Vorsitzender der Jungen Generation in der SPÖ Bezirk Schwaz. Noch mehr ärgert ihn, dass der Antrag vom Landtag abgeändert wurde. Man wolle sich aber dennoch weiterhin für eine Kassenarztstelle im Zillertal einsetzen.

„Aus unserer Sicht ist eine zusätzliche Kinderarztstelle im Bezirk Schwaz durchaus vertretbar“, sagt Arno Melitopulos, Direktor der Tiroler Gebietskrankenkasse. Obwohl man bisher keinerlei Beschwerden von Versicherten – etwa über lange Wartezeiten oder mangelnde Versorgung – erhalten habe. Die TGKK gibt zudem zu bedenken, dass es nicht einfach sei, eine solche Stelle zu besetzen. Das habe sich auch anhand einer erfolglosen Ausschreibung einer freien Kinderarztstelle in St. Johann seit Juni 2017 gezeigt.

Auch LR Bernhard Tilg erklärt in einem Schreiben zum Antrag der SPÖ, dass eine freie Stelle in Innsbruck seit Anfang April aus mangelndem Interesse vorerst unbesetzt sei. Laut Tilg gebe es derzeit 23 TGKK-Vertragsfachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde in Tirol. Im Durchschnitt kommen somit 6000 Kinder auf einen Facharzt. Im Bezirk Schwaz beträgt der Schlüssel jedoch derzeit knapp 7800. Daraus ergibt sich eine „leicht erhöhte Inanspruchnahme“ gegenüber dem Landesschnitt.

Tilg erklärt aber auch, dass es im kassenärztlichen Bedarfsplan derzeit keine Vormerkung für eine neue Stelle im Zillertal gibt. Dieser Plan gilt noch bis 2021 und wird mit der TGKK und der Ärztekammer Tirol erstellt.

Die Ärztekammer prüft nun den Bedarf. Wenn sich daraus ergibt, dass im Zillertal eine Kassenstelle gebraucht wird, dann wolle man mit der Krankenkasse verhandeln. „Da muss man die Hoffnungen aber leider etwas dämpfen. Das Potenzial an niederlassungswilligen Ärzten ist gering“, stellt Artur Wechselberger von der Tiroler Ärztekammer klar.

Woran das liegt? Eine eigene Praxis sei ein Fulltimejob mit zusätzlichen Spitzenzeiten und daran hingen auch wirtschaftliche Konsequenzen. „Als Arzt im Krankenhaus hat man teils mehr Möglichkeiten, sich beruflich weiterzuentwickeln oder sich die Zeit einzuteilen“, sagt Wechselberger. Der Nachwuchs sei nicht das Problem. Eher die Bereitschaft, sich niederzulassen. „Das ist eine tiefgreifende berufliche Entscheidung“, sagt Wechselberger. Eine, die derzeit nur wenige Ärzte treffen. Laut ihm seien viele Stellen frei – egal in welchem medizinischen Bereich.