Landespolitik

ÖBB sichern Tirol Ausbau-Millionen zu

Die Kapazitäten der ROLA auf der Brennerachse sollen bis zum Jahr 2021 auf rund 450.000 Lkw steigen.
© Thomas Böhm / TT

Vertrag mit Land um 200 Mio. € für Infrastrukturprojekte vor Abschluss. Fernpass-Bahntunnel wird auf Potenzial abgeklopft. 10 Mio. € für Beschleunigung beim „Deutschen Eck“ reserviert.

Von Manfred Mitterwachauer

Innsbruck –Im heurigen Jahr investieren die ÖBB an die 400 Millionen Euro in das Tiroler Streckennetz, ein Gutteil davon in den Bau des Brennerbasistunnels (BBT). Allein schon aus diesem Grund war ÖBB-Vorstandsvorsitzender Andreas Matthä gestern ein gern gesehener Gast im Landhaus. Dort traf er mit LH Günther Platter (VP) und LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) zusammen, um diverse Themen zu besprechen:

Haltestellen/Ausbau Oberland: Bereits in den Endverhandlungen stehen ÖBB und Land hinsichtlich des so genannten „Tirol-2-Vertrags“, wie Platter im Anschluss betonte. Dieser soll Tirol ein neuerliches Investitionsvolumen von rund 200 Millionen Euro für die Weiterentwicklung der Schieneninfrastruktur durch die ÖBB sichern. Projekte wie der Haltestellenausbau im Großraum Innsbruck (Westbahnhof, Wifi, Hall-Thaur, Messe und Hötting) seien damit ebenso umfasst wie der zweispurige Ausbau ins Oberland auf den Abschnitten Imst – Imsterberg sowie Ötztal-Bahnhof – Roppen. Dieser, so Matthä, sei Voraussetzung für die Realisierung eines Halbstundentaktes beim REX. Obwohl ein genauer Zeitplan noch nicht eingetaktet sei, visiert Matthä hier das Jahr 2030 an. Bleibt ein Unsicherheitsfaktor: Eine Umweltverträglichkeitsprüfung werde man machen müssen, so Matthä.

Fernpass-Bahntunnel: Auch für die Realisierung eines Bahntunnels vom Außerfern ins Inntal wähnt man sich einen Schritt weiter. Wie berichtet, hat sich der Landtag bereits für das Ergebnis einer diesbezüglichen Machbarkeitsstudie ausgesprochen, die ÖBB sicherten gestern zu, nun, als zweiter Schritt, eine Potenzialanalyse zu erstellen. Matthä strich auch aufgrund der geschätzten Kosten von rund 1,5 Milliarden Euro die Wichtigkeit einer langfristigen Konzeption hervor: „Das braucht schon einen langen Vorlauf.“ Apropos Vorlauf:

„Gute Worte langen nicht. Man muss bei den technischen Lkw-Kontrollen den gesetzlichen Rahmen ausnutzen“, so Andreas Matthä (ÖBB-Vorstandsvorsitzender).
© jakob-gruber.at

BBT-Zulaufstrecken/ROLA: Dass Bayern hier mehr als säumig ist, unterstrich Platter einmal mehr: „Bayern muss jetzt eine Variantenentscheidung treffen.“ Denn, wie auch Matthä weiß: „Ohne Zulaufstrecken ist der BBT nur drei Viertel wert.“ Die ÖBB kündigen an, in Etappen die – auch in der Kritik stehenden – Kapazitäten sowie das Angebot der Rollenden Landstraße bis zum zweiten Halbjahr 2021 auf bis zu 450.000 Lkw auf der Brennerroute auszubauen. Jedoch fordert Matthä gleichzeitig auch schärfere (technische) Lkw-Kontrollen (Tonnage) auf der Straße sowie endlich eine Kostenwahrheit mit dem Schienenangebot ein. Ansonsten werde die von der Tiroler Bevölkerung sowie Politik geforderte Verlagerung wohl kaum stattfinden.

Deutsches Eck: Der Ausbau des „Deutschen Ecks“ zwischen Salzburg und Rosenheim ist auch Matthä ein großes Anliegen, weil das dortige Bummeltempo der Bahn derzeit zu Lasten der Attraktivität der Anbindung in den Westen gehe. Die ÖBB haben der Deutschen Bahn hierfür sogar zehn Mio. € zugesagt, jedoch wolle die DB diesen Zuschuss erst 2021 abrufen, berichtet Matthä.

Ö-Ticket: Auf eine verstärkte Kooperation zwischen Ländern und ÖBB wirkt indes Felipe hin. Laut ihr sollen bis Herbst alle österreichischen Verkehrsverbünde über eine gemeinsame Plattform buchbar sein. Langfristiges Ziel wäre somit „ein Österreich-Ticket“ für die Öffis.