Wo Kirche heute noch Platz hat

Beim Diözesantag wurde über die Rolle von Religionen in der Gesellschaft diskutiert.

Kirche soll „Begegnung ermöglichen, keine Propaganda betreiben“, sagt Bischof Glettler.
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Innsbruck –Alles überholt, verstaubt und obendrauf kein Wille zu Reformen. Solches und Ähnliches hat sich die Kirche, allen voran die katholische, in der jüngeren Vergangenheit immer wieder anhören müssen. Hat Religion, wenn sie organisiert und institutionalisiert ist, keinen Platz mehr in der Gesellschaft? Wo können und dürfen sich Priester und Laien einbringen? Über diese Fragen wurde gestern beim Diözesantag und Dies facultatis der Theologie der Uni Innsbruck diskutiert.

Prominentester Redner war Bischof Erwin Kräutler, der für sein Engagement für die Indios im Amazonasgebiet in Brasilien mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden ist. Dem gebürtigen Vorarlberger war es wichtig zu betonen, dass nicht die geweihten Würdenträger, sondern allen voran alle anderen Mitglieder der Gemeinschaft eine Kirche ausmachen. „Dort, in den Basisgemeinden, lebt sie“, sagt Kräutler. Ebenso wichtig sei es zu verstehen, „dass wir als Kirche wissen, dass wir zusammengehören“. Und schließlich könnten nur Reformen die Menschen wieder an die Institution heranführen. So müsse etwa „die Stellung der Frau in der Kirche überdacht werden. Warum soll es keine Diakoninnen geben dürfen?“, fragte sich der Bischof.

Während sich der deutsche Theologe Ansgar Kreutzer in seinen Ausführungen damit beschäftigte, ob Religionen und die Kirche auch politisch sein und sich einbringen dürfen, erläuterte Christine Baur, Juristin und ehemalige Soziallandesrätin für die Grünen, ihre Gedanken zur Verbindung zwischen Glaube und politischer Arbeit.

Innsbrucks Bischof Hermann Glettler befand, dass „die Kirche sympathische und unaufdringliche Präsenz“ zeigen und bei den wichtigen Themen „kritisch intervenieren“ solle. Er plädierte für eine Rückkehr der Religionen in den öffentlichen Raum, da es das Denken der Menschen wieder mehr auf das „worauf hin und wovon her“ des Lebens bringe. Nicht außer Acht zu lassen, befand Glettler, seien in der Diskussion die wichtigen Funktionen, welche die Kirche in der Gesellschaft bereits erfülle. „Sie ist die größte Kulturerhalterin des Landes Tirol mit den vielen Kirchen und Kunstschätzen. Das soziale Engagement, der Einsatz für die Schwächsten, gehört seit jeher zum Herzschlag der Kirche.“ Die Institution müsse wieder mehr „vom Reden ins Tun“ kommen, die „Begegnung mit Gott ermöglichen, aber keine Propaganda betreiben“. (bfk)


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