Abenteuerliche Versprechen bei betrieblicher Zusatzpension
Nur 93,03 statt 500 Euro monatlich: Ein Tiroler berichtet über seine Erfahrungen mit der betrieblichen Zusatzpension. Ein neues Buch des VKI hilft bei der Pensionsplanung.
Von Michaela S. Paulmichl
Innsbruck –„Unfinanzierbar“, heißt es immer wieder über die Zukunft des österreichischen Pensionssystems. Der Staat werde den Arbeitnehmern nach 40 Jahren nicht auf Dauer ausreichende Pensionen zahlen können, sie müssten deshalb zusätzlich selbst vorsorgen. Aber ist die Privatpension wirklich geeignet als Mittel gegen Armut im Alter? Der Innsbrucker Pensionist Siggi Larcher hat ganz andere Erfahrungen gemacht:
„Ich habe immer fleißig gearbeitet und war zum Schluss 25 Jahre bei einer großen Firma tätig, die uns nach acht Dienstjahren eine tolle Zusatzpension mit Zertifikat des obersten Firmenchefs zugesagt hat.“ Es seien dann auch „tolle Summen“ eingezahlt worden. Als Jahre später das firmeneigene System in einen Versicherungskonzern ausgelagert wurde, sanken die Zahlungen drastisch. Larcher: „Es hieß, wir sind ausfinanziert.“ Den Mitarbeitern wurde versichert, sie könnten mit 500 Euro pro Monat rechnen. Diese Vorhersage reduzierte sich später auf 234 Euro. „Ein Jahr nach dem Pensionsantritt 2004 bekam ich dann 134 Euro“, berichtet Larcher. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 102 Euro und derzeit – nach einer weiteren Reduzierung – sind es gerade noch 93,03 Euro.
„Firmenpensionen sind für den Arbeitgeber steuerlich interessant“, sagt Gabi Kreindl vom Verein für Konsumenteninformation (VKI). Für etwa ein Drittel der Österreicher wird deshalb auf diese Weise für später vorgesorgt. Die monatlichen Zahlungen der Betriebe können ein Gehaltsbestandteil sein oder werden zusätzlich einbezahlt. „Ursprünglich gab es für diese Modelle sehr hohe Renditen, langfristig damit zu rechnen, war aber sicher blauäugig.“ Mit Fällen wie diesen hat der VKI deshalb immer wieder zu tun.
TT-Ombudsmann Hansjörg Jäger: „Als die Firmenzusatzpensionen Anfang 2000 in die Pensionskassen ausgelagert wurden, wollten die Firmen mit der Einmalzahlung künftige Belastungen abwenden. Allerdings ging man damals angesichts des herrschenden Börsen- und Zinsklimas davon aus, dass diese Beträge jährlich mit sechs bis acht Prozent verzinst würden, sodass die Zusatzrenten in alle Zukunft wertgesichert ausbezahlt werden könnten.“ Mit 2008 habe sich diese Annahme aber als falsch erwiesen und die Pensionskassen rutschten sogar ins Minus, mit bedauerlichen Folgen: „Wenn die Firmen nicht willens oder in der Lage waren, diese Lücken durch Kapitalzahlungen abzudecken, dann leiden die Bezieher darunter. Im Gegensatz dazu deckt der Staat aus dem Steuertopf jährlich die Lücken des staatlichen Pensionssystems mit Milliardenzuschüssen ab.“
Für die Arbeitnehmer war die betriebliche Zusatzpension ein Zuckerl, das sie nicht hinterfragt haben, meint Finanzdienstleistungsexpertin Gabi Kreindl vom VKI. Der Innsbrucker Pensionist hat wie viele andere darauf vertraut und dadurch selbst nicht zusätzlich vorgesorgt. Doch er bekomme von der staatlichen Pensionsversicherungsanstalt PVA „eine ordentliche Pension, die meistens steigt“ und von der er auch in Zukunft bei einer guten Finanzgebarung leben könne. Von der Möglichkeit einer freiwilligen Höherversicherung bei der PVA habe er leider zu spät erfahren.
Kreindl ist auch Mitautorin des Buchs „Wie schaut Ihr Plan aus?“, ein Pensionsplaner, herausgegeben vom VKI. Das aktuelle Standardwerk zur Planung der finanziellen Altersvorsorge hat sie gemeinsam mit Walter Hager, ebenfalls VKI-Finanzexperte, ausgearbeitet: „Es gibt einen riesigen Bedarf an unabhängiger Aufklärung. Die Angebote zur Altersvorsorge sind in vielen Fällen nicht transparent, es gibt völlig untaugliche Produkte auf dem Markt und in Beratungsgesprächen werden zum Teil abenteuerliche Versprechen gemacht. Wir wollen diese Lücke an objektiver Information schließen“, sagt er über das Buch.
Kreindl: „Wir wollen damit dazu motivieren, sich ganz gezielt mit der finanziellen Situation nach Ausscheiden aus dem Erwerbsleben zu beschäftigen, und begleiten die dazu nötigen Überlegungen Schritt für Schritt.“ Das nötige Basiswissen macht es leichter, die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Mit dem „Konsument-Pensionsplaner“ erwerben Leser auch den Zugang zum „Konsument“-Pensionsrechner, das Online-Tool ist ein Instrument zur Planung der finanziellen Zukunft. Das Buch mit 140 Seiten ist erhältlich um 19,90 Euro unter Tel. 01/588 774, kundenservice@konsument.at oder www.konsument.at/shop
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