Bezirk Reutte

Abwanderung im Außerfern mit allen Mitteln entgegensteuern

Mit zahlreichen Initiativen werden den jungen Außerfernern Lehrberufe im Bau- und Baunebengewerbe schmackhaft gemacht.
© Tschol

Mit diversen Initiativen, bei denen die jungen Außerferner bereits im frühen Kindesalter ihre handwerklichen Fähigkeiten testen oder ihr Verkaufstalent und unternehmerisches Geschick unter Beweis stellen können, wird versucht, deren Talente zu finden und zu fördern.

Von Simone Tschol

Reutte –Der Bezirk Reutte kämpft seit Jahren mit dem so genannten Brain-Drain – der Abwanderung von Intelligenz einer Volkswirtschaft. Das heißt nichts anderes, als dass viele Außerferner sich nach der Matura für ein Studium in Innsbruck, Wien oder andernorts entscheiden und nicht mehr in die Region zurückkehren. Gleichzeitig leidet die hiesige Wirtschaft unter latentem Fachkräftemangel.

„Wir versuchen alle Hebel in Bewegung zu setzen, um dieser Entwicklung gegenzusteuern, die Jugendlichen im Bezirk zu halten oder dafür zu sorgen, dass sie wieder zurückkommen“, erklärt der Bezirksstellenleiter der Wirtschaftskammer Reutte, Wolfgang Winkler.

Und der Spagat, den es dafür zu leisten gilt, ist groß. Mit diversen Initiativen, bei denen die jungen Außerferner bereits im frühen Kindesalter ihre handwerklichen Fähigkeiten testen (Erlebniswelt Baustelle) oder ihr Verkaufstalent und unternehmerisches Geschick unter Beweis stellen können (Kiwi – Kinder erleben Wirtschaft), wird versucht, deren Talente zu finden und zu fördern. „Hier kommt auch die Talent-Card des Wifi ins Spiel“, fügt WK-Bezirksobmann Christian Strigl hinzu. Die Potenzialanalyse für Jugendliche dient als Orientierungs- bzw. Entscheidungshilfe in der Berufs- und Bildungswahl. Strigl: „Damit können wir Fehlläufe vermeiden.“ Die Lehrlingszahlen hätten den Tiefstpunkt erreicht und seien wieder leicht ansteigend, meint Strigl: „Dass wir hier im Bezirk vergleichsweise gut dastehen, ist sicher unseren großen Industriebetrieben geschuldet. Trotzdem gibt es mehr offene Stellen als Lehrlinge.“ Vor allem das Bau- und Baunebengewerbe tue sich schwer. Strigl: „Auf diese Branche entfällt fast die Hälfte aller Berufe auf der Mangelliste.“

Zusätzlich zu den Bemühungen um Lehrlinge bietet die WK Reutte seit Jahren aber auch einen Vorbereitungskurs für den Medizin-Aufnahmetest an. Und die geplante HTL scheint ebenfalls nicht mit der Zielsetzung, zusätzliche Lehrlinge zu gewinnen, im Einklang zu stehen. „Kritik, dass die geplanten HTL den Lehrlingsmarkt zusätzlich absaugt, ist berechtigt“, räumt Winkler ein, „aber es ist der einzig gangbare Weg für unseren Bezirk. Sonst gehen die Jugendlichen über den Fernpass und besuchen dort eine HTL. Sind sie erst einmal auswärts, ist die Versuchung groß, den Bezirk für immer zu verlassen. Und unser Ziel ist es ja, dass alle im Bezirk bleiben oder zumindest nach ihrem Studium wieder zurückkommen.“