Explosionen und Gezwitscher im Schwoicher Steinbruch

Sprengungen im Schwoicher Steinbruch sind für Anrainer eine Provokation im laufenden Verfahren für die Baurestmassendeponie. Eine geschützte Vogelart stört es offenbar weniger.

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Im nordwestlichen Bereich des Steinbruchs hat sich, obwohl angrenzend immer wieder Sprengungen stattfinden, ein Flussregenpfeifer-Paar mit zwei Jungen niedergelassen.
© Schwaiger

Von Jasmine Hrdina

Schwoich –Er ist in etwa so groß wie eine reife Melanzani, seine Flügelspannweite erreicht keinen halben Meter – und doch sind alle Augen im vier Hektar umfassenden Schwoicher Steinbruch derzeit auf einen kleinen Vogel gerichtet. Der Flussregenpfeifer hat sich das schotterreiche Areal als Nistplatz ausgesucht – und drohte nun als geschützte Tierart einen ganzen Steinbruch lahmzulegen. Dazu ein Exkurs:

In den Schwoicher Häusern wackeln wieder die Wände. Seit etwas mehr als einer Woche wird im Mergelsteinbruch Neuschwendt wieder gesprengt – für die Anrainer eine „Provokation, ausgerechnet jetzt, wo das Verfahren für die geplante Baurestmassendeponie läuft“, ärgert sich Armin Hofreiter.

Beim ausführenden Unternehmen SPZ Zementwerk (Teil der Rohrdorfergruppe) hält man dagegen: „Es liegt uns absolut fern, zu provozieren, im Gegenteil“, erklärt Herwig Glössl, GF der Rohrdorfer Umwelt GmbH, die dort die umstrittene Baurestmassendeponie errichten will.

Der Steinbruch stehe seit 50 Jahren in Betrieb, man fördere abwechselnd Kalk und Mergel. Auch heute komme es immer wieder zu Sprengungen an verschiedenen Orten – zuletzt im Frühjahr und Herbst 2018. „Es gab in den letzten Jahren keine Beschwerden von Anrainern. Erst durch die Deponiediskussion ist jetzt auch der Abbau ein Thema“, wundert sich Glössl. So schlimm wie derzeit sei es aber auch noch nie gewesen, meint Anwohner Richard Holzner.

Flussregenpfeifer im Steinbruch: Die Behörde entsandte einen Ornithologen, um sich die Lage genauer anzusehen.
© Schwaiger

Die Beschwerde der Schwoicher Bewohner erreichte auch die Bezirkshauptmannschaft, die prompt ihre Sachverständigen entsandte. „Die Detonationsstärke ist für die höchste Stufe im denkmalgeschützten Wohnbaubereich genehmigt. Die Messwerte lagen weit unter diesen Schwellenwerten“, erklärt Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer. Man wolle aber noch weitere Gutachter zu Rate ziehen, ob zusätzliche umweltfachliche Vorschreibungen notwendig sein könnten.

Womit wir wieder bei der mittlerweile vierköpfigen Flussregenpfeifer-Sippschaft wären. Der Lärm der aktuellen Sprengungen scheint das Familienglück offenbar nicht zu stören – noch immer residieren sie im Steinbruch. Auch ein von der BH beauftragter Ornithologe habe laut Platzgummer „keine unmittelbare Gefährdung der Tiere“ festgestellt – der Betrieb bleibt also aufrecht.

Bei der Rohrdorfer-Gruppe ist man mit den gefiederten Kreaturen vertraut, wenngleich Glössl nichts von den Schwoicher Untermietern gewusst haben will. Wohl kenne er den Flussregenpfeifer aus anderen Kiesabbaubetrieben – immerhin fühlt sich diese Gattung auf Schotterbänken wohl und lässt sich des Öfteren in solchen Anlagen nieder. Man arbeite stets mit Naturschutzabteilungen zusammen, versichert Glössl. Den nordwestlichen Steinbruch-Bereich, in dem die Vögel unterwegs sind, habe man betriebsintern gesperrt. „Eine Störung kann derzeit nur durch Jagdausübung und von illegalen Besuchern ausgehen“, so Glössl.

Dass der kleine Vogel die geplante Baurestmassendeponie verhindern könnte, hält Platzgummer übrigens für unwahrscheinlich. In das Verfahren einfließen würden die neuen Erkenntnisse aber sicher.


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