Wien

„Hass-Triptychon“: Mit dem Hassmaster zur Trash-Therapie

Sechs Trolle arbeiten hart an der Selbstoptimierung.
© Buss

Der Berliner Regie-Jungstar Ersan Mondtag bringt bei den Festwochen Sibylle Bergs „Hass-Triptychon“ zur Uraufführung.

Wien –Rot angestrahlte Strommasten im Zuschauerraum, Skelette auf einigen Sitzplätzen, eine grau-gespenstische Stadtkulisse à la Nosferatu, grellbunte Trolle und dazwischen ein Herrscher über die dem Abstieg geweihte Mittelklasse. Der 1987 geborene Regisseur Ersan Mondtag, hochangesagt wie kritisch betrachtet, klotzt mit Sibylle Bergs „Hass-Triptychon – Wege aus der Krise“ ein opulentes und streckenweise durchaus kluges Trash-Crash-Teil auf die Bühne des Volkstheaters.

Jenes stark unterdotierte Wiener Großtheaters übrigens, dessen Leitung er sich gut vorstellen könnte. Welche Bewerbungen es in den Dreier-Vorschlag der Jury schaffen, und welche Entscheidung Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler, die zudem seitens der Stadt Wien das karge Budget des Hauses um 2 Millionen Euro aufstocken will, trifft, soll Ende Juni feststehen.

Aber zurück zu Sibylle Bergs „Altarbild des Lebens im Spätkapitalismus“, wo sich in einer Stadtwüste zwischen Autobahnzubringer und Backshops ein Grüppchen abgehängter „Probanden“ der zeitgenössischen Arbeitswelt tummeln. Von Kostümbildnerin Teresa Vergho in abstruse Kobolde mit Turmfrisuren und spitzen Ohren verwandelt, begeben sie sich alle sechs, etwa die „Alkoholikerin der Herzen“ (Çigdem Teke), der schwule Ex-Kindergärtner (Bruno Cathomas) oder der jugendliche Amokläufer (Johannes Meier), in die Hände des „Hassmasters“ (Benny Claessens), der weiß gewandet mit ebensolchem Langhaar eine Art Ludwig XIV. des Manga-Zeitalters vorstellt. Mit „Anam­nese“, „Diagnose“ und „Therapie“ sind die Flügel des Triptychons überschrieben. Durch den angeblich freien Sonntag, den Arbeitsmontag und den Feierabend, an dem man seinen Frust an der nächsten Supermarkt-Kassierin ablädt, driften die hoffnungslosen Selbstoptimierer, angepeitscht durch den „Therapeuten“, der finalen Hass-Explosion mit Waffeneinsatz entgegen.

Mondtag frisiert Bergs Farce­ auf Musical, Beni Brachtel vertonte die Gedichte des Textes mit Anleihen bei Eisler, Schlager oder Kinderlied. Schrill ist der Abend, an dem Claessens gerne einmal das Publikum direkt anquatscht; begeisterter Applaus. (lietz)