May-Rücktritt - Internationale Pressestimmen: „Tory-Hardliner“

London (APA/dpa) - Zur Rücktritt der britischen Premierministerin von Theresa May schreiben die am Samstag:...

London (APA/dpa) - Zur Rücktritt der britischen Premierministerin von Theresa May schreiben die am Samstag:

„Financial Times“ (London):

„Wenn ihr Nachfolger nicht mehr Flexibilität aufbringt als sie, wird Theresa Mays Abgang Großbritanniens schwere politische Krise nicht überwinden. Sie könnte nur noch schlimmer werden. Um an den Spruch eines ihrer Vorgänger zu erinnern: May war einmal die Zukunft. In der politischen Gemengelage nach dem Brexit-Referendum 2016 schien sie eher in der Lage zu sein, das Land zu einen als der Mann, der die Brexit-Kampagne angeführt hatte und der nun als aussichtsreicher Nachfolger gilt - Boris Johnson. Ihr Instinkt erschien richtig. Sie wollte den Brexit liefern, sie wollte dies mit Hilfe eines Abkommens mit der EU erreichen und sie wollte ihre Partei zusammenhalten. Diese drei Ziele erwiesen sich als nicht miteinander vereinbar. Ein Haufen von Tory-Hardlinern, der sich nur mit der extremsten Form des Brexit zufrieden geben würde, machte ihr drittes Ziel unerreichbar, ohne die beiden anderen aufs Spiel zu setzen.“

„Neue Zürcher Zeitung“:

„Im Grunde hatte Theresa May nur eine Aufgabe als Premierministerin: den Austritt Großbritanniens aus der EU zu bewerkstelligen. Daran ist sie gescheitert. Auf ihren Nachfolger oder ihre Nachfolgerin wartet nun genau dieselbe Aufgabe, und über deren Lösbarkeit gibt es weiterhin Zweifel. Der nächste Premierminister übernimmt sein Amt deswegen in einer Lage, für die es kaum einen Präzedenzfall gibt. (...)

Der Abgang von Theresa May trägt alleine noch nichts dazu bei, das Brexit-Dilemma einer Lösung näher zu bringen. Nicht nur muss das zukünftige Verhältnis Großbritanniens zu Europa geklärt werden, sondern es müssen vor allem auch die Gräben zugeschüttet werden, die sich in der britischen Gesellschaft in den letzten Jahren aufgetan haben. Sollte dies ihrem Nachfolger nicht gelingen, dürfte dessen Amtszeit noch kürzer als diejenige Mays ausfallen.“

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„Guardian“ (London):

„Sofern es Theresa May nicht gelingt, dank einer unerwarteten Wendung der Umstände ihren Brexit-Deal in den kommenden Wochen doch noch durch das Parlament zu bringen, wird ihr Nachfolger schnell mit der vertrauten Auswahl an Optionen konfrontiert werden: Brexit mit dem ausgehandelten Vertrag, Brexit ohne Abkommen oder gar kein Brexit. Dieser neue Premierminister wird sich auch mit derselben parlamentarischen Arithmetik auseinandersetzen müssen, die schon Theresa Mays Bemühungen um einen Konsens behindert hat. Der neue Anführer wird kein Mandat des Landes und keine Mehrheit im Parlament haben. Die Wahrscheinlichkeit von Neuwahlen oder eines weiteren Referendums ist damit gestiegen, auch wenn der genaue Kurs noch unklar ist.“


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