Wiener Festwochen - „Deponie Highfield“: Reiter, Rächer, Raucher

Wien (APA) - Die „Deponie Highfield“ ist mehr Reit- als Müllplatz. Sieben Pferde stehen auf dem Kunstrasenteppich der Akademietheater-Bühne:...

Wien (APA) - Die „Deponie Highfield“ ist mehr Reit- als Müllplatz. Sieben Pferde stehen auf dem Kunstrasenteppich der Akademietheater-Bühne: sechs Lipizzaner und ein Brauner. Es sind, so signalisiert eingespielte Western-Musik, nicht die Überreste von Kickls Reiterstaffel, sondern die reitbaren Untersätze der glorreichen Sieben. Doch nur fünf davon treten auf. Ein Pollesch-Abend mit Leerstellen und Leerläufen.

„Warum sind wir nicht die Avengers?“, fragt Kathrin Angerer. Sie ist wie ihre Kolleginnen Birgit Minichmayr, Caroline Peters und Irina Sulaver als Western-Girl gekleidet, Martin Wuttke stapft zwischen ihnen als o-beiniger Cowboy herum. Revolver und Zigaretten sind stets griffbereit. Hier sind Reiter, Rächer und Raucher in Personalunion am Werk, und wenn sie nicht gerade in Schusswechsel mit anonymen Feinden geraten (was zweimal der Fall ist), sind ihre Mundwerke auf Dauerfeuer gestellt. Das Quintett redet um sein Leben, die Souffleuse gibt ihnen dabei die nötige Deckung.

Rene Pollesch, der mit dieser Produktion, in die sich die Wiener Festwochen als Koproduzenten eingekauft haben, bereits zum neunten Mal am Burgtheater gearbeitet hat, setzt diesmal thematisch ganz auf Tiere. Elefantenvideos, das Verhalten von Orang-Utans oder Pavianen sind Gesprächsstoff. Caroline Peters geht als Primatologin der Frage nach, ob Affen oder Menschen die sozialeren Wesen sind. Und natürlich werden immer wieder Pferde bestiegen und beredet. „Warum sind das keine Katzen?“, nörgelt Angerer. „Ich hab Katzen viel lieber!“

Es geht aber auch um die feministische Naturwissenschafterin Donna Haraway und um allerhand anderes, was einem eben so bei der Lektüre von Alain Badiou oder Jaques Lacan durch den Kopf geht. „Man steht irgendwo rum und hat kein Problem gelöst. So ist es eigentlich immer.“ Das gilt auch für die Theaterabende des Rene Pollesch. Vorher galoppieren die ungezügelten Gedanken noch rund um Vergessen und Repräsentation, die Hofreitschule und das Burgtheater sowie von Lipica nach Ibiza, dessen Erwähnung sich derzeit scheinbar als Aktualitätsnachweis am besten eignet.

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Nach 100 Minuten heißt es dann: „Fick Dich. Gute Nacht!“ Es folgt langer, lauter Jubel der Fans. „Was hat es eigentlich mit diesem Mythos auf sich, dass wenn ein Theaterabend lange in einem nachwirkt, dass das ein Zeichen für Qualität sein soll?“, hieß es zuvor. Kein Mythos, sondern Resultat langer Erfahrung. Doch keine Sorge. Etwas an „Deponie Highfield“ bleibt in Erinnerung: Die sieben Kunstpferde (Bühne: Katrin Brack) beherrschen auch Kunststücke. Sie können mit den Ohren wackeln, mit ihren Schweifen wedeln und Dampfwolken aus ihren Nüstern blasen. Und erbringen so auch in der kargsten Textwüste den Beweis: Theater lebt.

(S E R V I C E - „Deponie Highfield“ von Rene Pollesch, Uraufführung. Regie: Rene Pollesch, Bühne: Katrin Brack, Kostüm: Tabea Braun. Mit Kathrin Angerer, Birgit Minichmayr, Caroline Peters, Irina Sulaver und Martin Wuttke. Koproduktion Burgtheater und Wiener Festwochen, Akademietheater. Weitere Termine: 25. und 31. Mai sowie am 1., 4.,15., 17., 18. und 19. Juni, 19.30 Uhr, www.burgtheater.at, www.festwochen.at)

(B I L D A V I S O – Pressebilder stehen im Pressebereich von www.festwochen.at zum Download bereit.)


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