Ungarn - Weitere Zentralisierung auf dem Regionalblattmarkt geplant

Budapest (APA) - Die Zentralisierung des ungarischen Medienmarktes geht weiter, wie ungarische Medien am heutigen Samstag kritisiert haben. ...

Budapest (APA) - Die Zentralisierung des ungarischen Medienmarktes geht weiter, wie ungarische Medien am heutigen Samstag kritisiert haben. Denn eine neue Stufe zur „zentralisierten Pressefreiheit“ sei geplant mit der Abschaffung der auch heute nur „auf dem Papier eigenständigen“ Redaktionen von regionalen Tageszeitungen.

Ihr gesamtes Netz soll in der heutigen Form nach den Kommunalwahlen im Herbst 2019 abgeschafft werden, erklärten Mitarbeiter betroffener Redaktionen der Zeitung „Nepszava“ gegenüber. Ihren Platz soll eine zentral redigierte Zeitung übernehmen, erstellt von zentraler Redaktion und zentralem Management. Diese Zeitung würde auf dem gesamten Regionalblattmarkt unter dem gleichen Namen, mit gleichem Inhalt sowie Profil erscheinen und nur minimale lokale Informationen enthalten, die von wenigen Journalisten erstellt würden. Es gebe demnach vor Ort keine Redaktionsleiter und Chefredakteure mehr, wodurch finanzielle Einsparungen ermöglicht würden.

Als „Einstand“ zur Zentralisierung hätten die Online- und Printausgaben von 16 Regionalzeitungen beigetragen, die am heutigen Samstag alle das gleiche Interview mit Premier Viktor Orban veröffentlichten. Das Internetportal „444.hu“ erinnerte weiter daran, dass Orban am Freitag in der deutschen „Bild“-Zeitung im Zusammenhang mit den „ihn ständig kritisierenden ungarischen Medien“ betonte: „Es wäre gut, wenn ich einmal Rückenwind in der ungarischen Presse hätte, da ich gegenwärtig ständig im Gegenwind laufe.“

„Nepszava“ erinnerte daran, dass die Auflagen dieser Regionalzeitungen, die traditionell als die wichtigsten Medien auf dem Lande gelten, enorm sanken, als sie 2016 in regierungsnahe Hand gelangten und die Zentralisierung für den Abbau lokaler Inhalte sorgte.

Die „Übernahme“ der Regionalzeitungen hatte im Herbst 2016 mit dem Verkauf des Verlagshauses Mediaworks durch die Firma Vienna Capital Partners (VCP) des Wiener Investors Heinrich Pecina an ein ungarisches Unternehmen begonnen, das dem regierungsnahen Oligarchen Lörinc Meszaros nahe steht. Mit der Gründung der Mitteleuropäischen Presse- und Medienstiftung, mit der zugleich eine Medienholding entstand, wurden alle Regionalzeitungen Eigentum dieser regierungsnahen Organisation.


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