Deutscher Zentralrat der Juden: Antisemitismus verstärkt sich

Berlin (APA) - Der Präsident des deutschen Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sieht bei antisemitischen Vorfällen eine „neue Qualität“ e...

Berlin (APA) - Der Präsident des deutschen Zentralrats der Juden, Josef Schuster, sieht bei antisemitischen Vorfällen eine „neue Qualität“ erreicht. Er neige nicht zum Dramatisieren, „doch die Lage hat sich insgesamt wirklich verschlechtert“, sagte Schuster der „Welt am Sonntag“ laut Kathpress. „Das aggressive politische Klima wirkt sich aus.“

Juden in Deutschland fühlten sich zwar von den Sicherheitsbehörden ausreichend geschützt, „aber es wird Zeit, dass sich in der Gesellschaft der Wind wieder dreht“, forderte Schuster. Erst in der in der Nacht auf den 19. Mai war in Hemmingen bei Hannover das Haus eines jüdischen Ehepaares angegriffen worden. „Hier wurde nicht eine jüdische Einrichtung angegriffen, die als solche deutlich zu erkennen ist, sondern hier haben die Täter den privaten Wohnort eines jüdischen Ehepaares ausfindig gemacht und sind mit dem Anschlag deutlich in deren Privatsphäre eingedrungen. Das ist eine neue Qualität“, so Schuster.

Insgesamt sehe er keinen Bedarf für eine Verschärfung des Strafrechts, fügte der Zentralrats-Vorsitzende hinzu. Er würdigte zudem die Einrichtung der Antisemitismusbeauftragten im Bund und einigen Bundesländern. „Es ist bereits deutlich zu spüren, dass die Beauftragten die Lage mit Blick auf Antisemitismus viel schärfer beobachten und das öffentlich zum Thema machen.“

Der deutsche Regierungsbeauftragten Felix Klein hatte den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Wochenendausgaben) gesagt, er könne „Juden nicht empfehlen, jederzeit überall in Deutschland die Kippa zu tragen“. Damit habe sich seine Meinung „im Vergleich zu früher leider geändert“. Der Regierungsbeauftragte begründete die Entwicklung mit einer „zunehmenden gesellschaftlichen Enthemmung und Verrohung“.

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