„War Requiem“ im Linzer Brucknerhaus als aufwühlendes Ereignis

Linz (APA) - Mit dem „War Requiem“ von Benjamin Britten präsentierte das Linzer Brucknerhaus wenige Tage nach Gustav Mahlers 8. Symphonie am...

Linz (APA) - Mit dem „War Requiem“ von Benjamin Britten präsentierte das Linzer Brucknerhaus wenige Tage nach Gustav Mahlers 8. Symphonie am Samstag ein weiteres monumentales Werk der Musikliteratur. Während Mahler den liturgischen Pfingsthymnus mit Goethes Schlussszene aus „Faust II“ kombiniert, stellt Britten dem lateinischen Text des Requiems Gedichte von Wilfred Owen gegenüber.

Die Aufführung des „War Requiems“ im Großen Saal wurde zum aufwühlenden, erschütternden und in der Interpretation wohl nicht zu übertreffenden Ereignis. Das Publikum quittierte die Wiedergabe mit anhaltender Ergriffenheit.

Britten hatte diese 1962 uraufgeführte leidenschaftliche Verurteilung des Krieges zur Einweihung der neuen Kathedrale von Coventry komponiert, die neben den Trümmern des 1940 zerbombten gotischen Gotteshauses entstand. Der Text des Requiems wird von den beklemmenden, die Grausamkeit des Krieges schildernden Gedichten des jungen, im Ersten Weltkrieg gefallenen Autors unterbrochen. Diese sind dem Tenor- und dem Baritonsolisten anvertraut und sie werden dabei von einem Kammerorchester begleitet. Die Worte der Totenmesse bringen die Sopransolistin, der große gemischte Chor mit dem großen Orchester und der Knabenchor, nur von einer Orgel begleitet, zu Gehör. Brittens Musik geht unter die Haut - eindringlich, klagend, aufbäumend, zupackend, betörend zart, dann wieder - etwa im Sanctus - den Raum geradezu sprengend. Nach dem ergreifenden Abgesang des „Libera me“ musste man als Zuhörer einfach den Atem anhalten.

Daniel Harding leitete vom Pult aus sensibel und zupackend die Aufführung und hatte dafür Interpreten zur Seite, die nicht besser hätten sein können: Emma Bell mit strahlendem, selbst die Chor- und Orchestermassen übertönendem Sopran, Andrew Staples (Tenor) und Christian Gerhaher (Bariton), als im Krieg gegnerische und im Tod versöhnte Soldaten, beide mit großer Intensität und Durchsetzungskraft, und schließlich Chor und Orchester de Paris, alle mit höchster Intensität und Professionalität musizierend. Aus dem Foyer sendeten die Augsburger Domsingknaben himmlische Klänge in den Saal. Nach längerer Stille gaben erste Reizhusten im Publikum das Zeichen zum dankbaren und schier endlosen Jubel für alle Ausführenden.


Kommentieren