Zollstreit entscheidet weiter über Wohl und Wehe der Börse

Frankfurt/New York/London (APA/Reuters) - Auch im nahenden Sommer besteht Experten zufolge für Anleger keine Aussicht auf Urlaub vom Dauerbr...

Frankfurt/New York/London (APA/Reuters) - Auch im nahenden Sommer besteht Experten zufolge für Anleger keine Aussicht auf Urlaub vom Dauerbrenner-Thema Zollstreit. „Der Disput hat das globale Wachstum bereits gebremst, ist aber vor allem ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die Regeln für den Welthandel ändern werden“, sagte Darren Williams, leitender Analyst beim Vermögensverwalter Alliance Bernstein.

US-Präsident Donald Trump halte offenbar an seiner Strategie fest, den Druck auf China hoch zu halten, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus AxiTrader. „Ob das Reich der Mitte allerdings bereit ist, mit einer Pistole am Kopf zu verhandeln, ist mehr als fraglich. Das Risiko, dass ein Handelsabkommen noch Monate auf sich warten lässt und dies in der Zwischenzeit die Weltwirtschaft weiter lähmt, ist hoch.“

Vor diesem Hintergrund hätten Äußerungen Trumps jederzeit das Potenzial, die Börsen in Turbulenzen zu stürzen, warnte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG Markets. „Seine gefürchteten Tweets führen entweder zu Panik oder zu Euphorie.“ Der deutsche Leitindex Dax verlor in der abgelaufenen Woche 1,9 Prozent.

Auch beim zweiten Dauerbrenner-Thema, dem Brexit, können Investoren nicht auf eine Verschnaufpause hoffen, wie Commerzbank-Analyst Peter Dixon prognostizierte. Denn das Rätselraten um den Kurs Großbritanniens nach dem für Anfang Juni geplanten Rücktritt von Premierministerin Theresa May halte sie auf Trab. „Nachfolgen wird ihr wohl ein Brexit-Befürworter, der allerdings ebenfalls nur einer Minderheitsregierung vorstehen und damit bei der Umsetzung des Brexit kaum Handlungsspielraum haben wird.“ In der vergangenen Woche fiel das Pfund Sterling zeitweise auf ein Viereinhalb-Monats-Tief von 1,2603 Dollar.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Die Europawahl werde dagegen kaum Auswirkungen auf die Börsen haben, prognostizierte Martin Lück, Chef-Anlagestratege für Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. „Allenfalls ein erdrutschartiger Sieg der Rechten würde vermutlich ausreichen, um eine sichtbare Marktreaktion hervorzurufen.“ Die Börsen in London und New York könnten darauf nur verzögert reagieren, da sie am Montag feiertagsbedingt geschlossen bleiben.

Börsianer warten zudem gespannt auf die deutschen und europäischen Inflationsdaten am Freitag. Von ihnen erhoffen sie sich Hinweise auf die weitere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), über die die Währungshüter in der ersten Juni-Woche beraten. Wegen des späten Pfingsttermins seien die Zahlen für Mai allerdings verzerrt, warnten Analysten.

Wenige Stunden später werden in den USA die Einkommen und Verbraucherausgaben veröffentlicht. Wichtiger ist aus Sicht von Experten allerdings der parallel dazu veröffentlichte Preisindex, ein wichtiger Faktor für die Geldpolitik der US-Notenbank (Fed). Sollte der sogenannte PCE-Preisdeflator auf einen wachsenden Inflationsdruck hindeuten, könne dies die Spekulationen auf eine baldige Zinssenkung der Fed dämpfen.


Kommentieren