Politikneuling bricht in Bremen jahrzehntelange Vorherrschaft der SPD

Bremen (APA/AFP) - Nach den ersten Prognosen bei der Bürgerschaftswahl in Bremen gibt sich Carsten Meyer-Heder selbstsicher. „Wir wollen den...

Bremen (APA/AFP) - Nach den ersten Prognosen bei der Bürgerschaftswahl in Bremen gibt sich Carsten Meyer-Heder selbstsicher. „Wir wollen den Bürgermeister stellen“, sagt der CDU-Spitzenkandidat am Sonntag angesichts der ersten Zahlen nach Schließung der Wahllokale, die die CDU als stärkste Kraft in dem norddeutschen Bundesland ausweisen.

Während die seit mehr als 70 Jahren in Bremen regierende SPD noch auf ein besseres Wahlergebnis im Lauf der Nacht hofft, steht für Meyer-Heder außer Frage, dass die CDU von den Wählern den Regierungsauftrag erhielt. Der 57-Jährige fand erst im vergangenen Jahr den Weg in die Politik. Meyer-Heder machte sich einen Namen als IT-Unternehmer, bevor er gemeinsam mit der Bremer CDU-Führung die Idee ersann, bei der Bürgerschaftswahl als Spitzenkandidat ins Rennen zu gehen. Er baut auf sein Image als unkonventioneller Neuling im Politikbetrieb, der eher als Manager denn als Verwaltungschef agiert.

In Interviews lässt der hochgewachsene Computerexperte schon mal Sympathien für den Stil von SPD-Altkanzler Gerhard Schröder erkennen. „In der Politik geht es ja in erheblichem Maß um Authentizität“, sagt er. „Bei aller Streitbarkeit um ihn - die hatte er.“

Beobachter bescheinigen Meyer-Heder einen erfrischenden Auftritt, jedoch auch fehlendes politisches Knowhow. Ihn selbst stört das nicht. „Ich glaube eher, dass Bremen genau das braucht“, betont er. Es gehe darum, dass „man Dinge hier mal mit einer anderen Haltung angeht“. Erfahrene Politiker habe die CDU außerdem genug.

Offensiv thematisiert Meyer-Heder auch seinen nach eigenen Angaben „eher bunten“ Lebensweg - samt Studentenzeit in einer Zehner-WG und nebenberuflicher Musikertätigkeit. Zum Unternehmer wurde er erst, nachdem er mit Ende 20 eine Krebserkrankung überstand. Er gründete eine Internetagentur mit heute mehr als tausend Mitarbeitern.

Für die in Bremen traditionell alles andere als erfolgsverwöhnte CDU scheint sich das Experiment mit dem Quereinsteiger gelohnt zu haben. Zwar erreichte der verheiratete Vater dreier Kinder sein Ziel „30 Prozent plus X“ nicht. Laut den Prognosen von ARD und ZDF legten die Christdemokraten allerdings deutlich zu - und überholten die SPD.

Es gehe um einen Neustart, sagt der gebürtige Bremer Meyer-Heder. Vor allem die Lage in der Bildungspolitik sei dramatisch schlecht. Der CDU-Politiker will nun Gespräche mit den anderen Parteien führen. Als Koalition wäre ihm ein Jamaika-Bündnis mit Grünen und FDP dabei „am sympathischsten“.

Die Grünen, die bei der Bürgerschaftswahl ebenfalls ein gutes Ergebnis einfuhren, hätten nun „eine starke Position“, sagt Meyer-Heder am Wahlabend und fügt optimistisch hinzu: „Das kriegen wir zusammen hin mit den Grünen.“


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