EU-Wahl - AfD-Chef Meuthen arbeitet beharrlich am Ausbau seiner Macht

Berlin (APA/AFP) - Auf europäischer Ebene sucht er den Schulterschluss mit führenden Rechtspopulisten, zu Hause arbeitet er sich bevorzugt a...

Berlin (APA/AFP) - Auf europäischer Ebene sucht er den Schulterschluss mit führenden Rechtspopulisten, zu Hause arbeitet er sich bevorzugt an den Grünen ab: Chef der deutschen Rechtspopulisten „Alternative für Deutschland/AfD) und Europaparlamentarier Jörg Meuthen lässt keine Gelegenheit aus, sich als starker Mann seiner Partei zu zeigen.

Vor knapp vier Jahren kam er quasi aus dem Nichts an die AfD-Spitze - und festigt seitdem beharrlich seine Position. Am Abend der Europawahl musste der Spitzenkandidat seiner Partei allerdings einen Dämpfer hinnehmen: Noch nicht einmal das Ergebnis der Bundestagswahl von 12,6 Prozent, auf das er die Erwartungen heruntergeschraubt hatte, wurde erreicht.

Denkbar ungünstig kam eine Woche vor der Wahl der Skandal um den inzwischen zurückgetretenen Chef der österreichischen FPÖ, Heinz-Christian Strache. In der Schlussphase des Wahlkampfs musste Meuthen vor allem Fragen zur „Ibizia“-Affäre der FPÖ beantworten, anstatt mit eigenen Themen zu punkten. Die ungebrochene Nähe zur „Schwesterpartei“ FPÖ betonte er auch am Wahlabend - unter dem Jubel seiner Anhänger.

Bevor die FPÖ-Affäre noch dazu kam, hatte er als Grund für die gedämpfte Stimmung vor allem die Prüfung seiner Partei durch den Verfassungsschutz ausgemacht. „Das hat uns sicher massiv geschadet“, sagte Meuthen. Zu schaffen macht der AfD auch die Affäre um dubiose Wahlkampfhilfen, die neben Meuthen und Guido Reil als Nummer zwei der Europaliste auch Fraktionschefin Alice Weidel belastet.

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Bisher war Meuthen der einzige AfD-Europaabgeordnete, er kam Ende 2017 als Nachrücker nach Straßburg. Nach der Bundestagswahl 2013 schloss er sich der jungen Partei an. Politisch festgelegt war Meuthen bis dahin nicht.

Aufgewachsen in einem Essener Arbeiterviertel gründete er als Jugendlicher in Rheinland-Pfalz, wohin die Familie umgezogen war, einen Ortsverband der Jungen Union. Der gewiefte Redner studierte Politik, Publizistik und Volkswirtschaftslehre. Seine Doktorarbeit schrieb er über die Kirchensteuer. Im SPD-geführten hessischen Finanzministerium war Meuthen Referent in der Haushaltsabteilung. 1996 kam er als Professor für Volkswirtschaftslehre an die Hochschule für öffentliche Verwaltung ins baden-württembergische Kehl, seine Professur ruht.

Zur AfD ging Meuthen wegen Parteigründer Bernd Lucke. Als dieser im Juli 2015 von Frauke Petry aus dem Amt gejagt wurde, kam seine große Stunde: Meuthen wurde Petrys Ko-Parteivorsitzender. Als baden-württembergischer Landeschef führte er die AfD 2016 mit 15,1 Prozent in den Stuttgarter Landtag. Den dortigen Fraktionsvorsitz gab er ab, als er ins Europaparlament wechselte. Seit Dezember 2017 steht er mit Alexander Gauland an der Spitze der Bundes-AfD.

Der Wirtschaftsprofessor ist schwer zu fassen - genau das scheint sein Kalkül zu sein. Meuthen lächelt meist freundlich, wägt seine Worte sorgsam ab und lässt sich auf keine Strömung der Partei festlegen. Der inzwischen zum dritten Mal verheiratete Vater von fünf Kindern galt anfangs als bürgerlich-liberales Aushängeschild und Gegenpol zu rechten Krawallmachern in der Partei. Doch Meuthen gefällt sich auch in der Rolle des Scharfmachers.

Gern wiederholt er seine Kampfansage gegen das „links-rot-grün verseuchte 68er-Deutschland“. Die erstarkten Grünen nennt Meuthen „hochgefährlich“, er bezichtigt sie der „Klimahysterie“ und „Panikmache“. Die Vorstellung, Grünen-Chef Robert Habeck könnte einmal Kanzler werden, verursacht ihm regelrechtes Grauen. „Dann würde ich wohl ganz ernsthaft über Auswanderung nachdenken“, sagte Meuthen kürzlich AFP. Fast schmerzverzerrt war sein Gesicht, als er am Sonntagabend den Erfolg der Grünen bei der Europawahl zur Kenntnis nehmen musste.

Ganz selbstverständlich pflegt Meuthen den Kontakt zum rechten Rand der AfD. Der Parteichef sieht sich „als denjenigen, der die verschiedenen Flügel integriert“. So macht seiner Ansicht nach der Thüringer Rechtsaußen Björn Höcke „einen ausgezeichneten Job“. Meuthen braucht die starken Landesverbände im Osten, wo dieses Jahr in Brandenburg, Sachsen und Thüringen gewählt wird, zur Festigung seiner Macht.


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