Debütalbum von „Low Potion“: Lowlights in allen Klangfarben

Chris Norz und Anna Widauer haben als „Low Potion“ ihr Debütalbum vorgelegt. Vorgestellt wird es heute in Wörgl und morgen in Innsbruck.

Kein Projekt für nebenher: Das Duo "Low Potion" stellt mit "Silk Blue" seinen ersten Longplayer vor. Die Electro-Popmusik ist auch für Zuhörer kein Hintergrundsound.
© Ben Raneburger

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck –Unkommerzielle Popmusik, so nennen die Musiker Chris Norz und Anna Widaue­r das, was sie Anfang des Monats veröffentlicht haben. Genauer gesagt ist es das erste Album, mit dem sich das Duo Low Potion einem größeren Publikum vorstellt. Seine Premiere feierte „Silk Blue“ bereits in Wien, heute und morgen kehren die beiden Ausnahmemusiker auf die heimischen Bühnen zurück. Gleich bei zwei Anlässen, in Wörgl und Innsbruck, kann man die unkommerzielle Popmusik à la Low Potion live erleben.

Ganz neu sind Chris Norz und Anna Widauer auf den Tiroler Bühnen allerdings nicht. Sie, in unterschiedlichen Formationen (u. a. Lost Toys oder der Improvisationscombo Little Roses Kindergarden) singend tätig, räumte 2014 den Jazzpreis des Landes Tirol ab.

Er hämmerte schon bei Man­u Delago auf unterschiedliche Percussionsapparate ein und ist Teil von Hi5, mit denen er im Frühjahr Mexiko, die USA und China besuchte. Um zwischendurch mit Low Potion als Support für die Wiener Songwriterin Clara Luzia auch noch durch Deutschland zu touren.

Low Potion ist aber kein Projekt unter vielen. Das zeigt sich in der elf Songs starken Platte deutlich. Ein musikalischer roter Faden lässt sich in der düsterblauen Grundstimmung erkennen – die Facetten des elektronischen Experiments sind im besten Falle bunt.

Farbe (in Richtung Popmusik) bekennt etwa „Lila“, dessen eingängige Melodie und coole Beats den Zuhörer verfolgen. Anders die Nummer „Birth“, die zwar mit einer Ringelspiel-Melodie spielt, das ruhige Wummern der Klänge aber in einem umso brachialeren Höhepunkt enden lässt – ähnlich operiert auch das Stück „Indigo“.

Wichtige Konstante im Experimentieren des Duos ist die glasklare Stimme von Ann­a Widauer, die über allem schwebt und die es nebenbei versteht, Geschichten zu erzählen: In „Low“ entwickelt sich aus „Nothing can get me out of this low“ der eindringliche Erzählstrang, in „Suchen“ (und dem dazugehörigen „In­tro“) spielt Widauer mit dia­lektalen Einsprenklern, die den Gesang noch authentischer und nahbarer machen.

In der „Story of a Sad Balloon“ mündet beides, Narration und experimenteller Electrosound, in ein großes Ganzes. Live wird hier übrigens ein wirklicher Luftballon Stimmgeber – die Auftritte des Duos, wo Sounds händisch übereinandergelegt werden, sind ein Erlebnis. Wenn Low Potion kommerzielle Popmusik machen würde, würde es hier stark nach Billie Eilish riechen. Gut, dass sie es nicht machen, sonst würden schräge Nummern wie „Artificial“ wahrscheinlich verloren gehen. „Silk Blue“ ist Pop voller cooler Lowlights – und doch eine warme Empfehlung.

Alternative Pop Low Potion

Silk Blue, Disko Danza Records.

Live: Heute Freitag, 21 Uhr, Zone Wörgl; morgen Samstag, 20 Uhr, Bäckerei Innsbruck.

Alternative Pop Low Potion: Silk Blue, Disko Danza Records. Live: Heute Freitag, 21 Uhr, Zone Wörgl; morgen Samstag, 20 Uhr, Bäckerei Innsbruck.


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