Messerattacke in Imst: Berufung gegen zu milde Strafe

Am Dienstag wurde im bis zum letzten Platz gefüllten Schwurgerichtsaal der Fall jenes 20-jährigen Imsters verhandelt, der letzten Mai einen ...

Ein 20-jähriger Imster war nach Todesstichen auf einen 17-Jährigen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Zu milde für die Anklägerin.
© Foto TT/Rudy De Moor

Am Dienstag wurde im bis zum letzten Platz gefüllten Schwurgerichtsaal der Fall jenes 20-jährigen Imsters verhandelt, der letzten Mai einen 17-jährigen Lustenauer nach einer Party niedergestochen hatte. Im akribisch geführten Prozess herrschte unter den Geschworenen dann jedoch Pattstellung (4:4) zum Vorliegen eines Morddeliktes. So votierten die Laienrichter auf absichtlich schwere Körperverletzung und verhängten fünf Jahre Haft. Zugleich verneinten sie das Vorliegen von Notwehr jedoch eindeutig. Eine zu milde Sanktion für die Innsbrucker Staatsanwaltschaft, wie der TT gestern auf Anfrage bestätigt wurde. „Wir berufen nicht gegen den kaum bekämpfbaren Urteilsspruch zum Delikt, aber gegen die Strafhöhe!“, so Staatsanwalt Thomas Willam. Das Oberlandesgericht wird nun entscheiden.

Die Geduld von allerlei Behörden strapazierte in den letzten Monaten ein 20-jähriger Unterländer. Auch Richter Bruno Angerer stellte er auf die Probe. Hatte er seinem erst 15-jährigen Freund im November doch einen LSD-Trip überlassen und behauptet, dass er dessen Alter nicht gekannt, jedoch auf 21 oder 17 Jahre geschätzt habe. In dieser Tonart ging es auch zu einem gestohlenen Kennzeichen am Auto des 15-Jährigen (!) weiter. Auch da wäre ihm nichts komisch vorgekommen. Der 15-Jährige bezeugte jedoch, dass es der 20-Jährige selbst gewesen sei, der die Kennzeichen auf einem Parkplatz von einem fremden Auto gestohlen und auf das Schrottauto montiert habe. Auch zu einem „Unfall“ mit einem Pfefferspray fehlte die passende Erklärung. Die Staatsanwältin: „Alles Schutzbehauptungen – lebensfremd und sinnbefreit!“ Dank Unbescholtenheit blieb es noch bei zur Hälfte bedingten 1440 Euro Geldstrafe.

Eine geradezu atypische Angeklagte musste zu einem Prozess wegen Kinderpornografie am Landesgericht erscheinen. So war einer in Tirol lebenden Zentralafrikanerin vorgeworfen worden, dass über ihren Facebook-Account ein eindeutig kinderpornografisches Video gelaufen war und dieses auch noch weiterversandt worden war. Im Prozess machte die 44-Jährige Hackerangriffe geltend, wollte jedoch auch niemanden aus ihrer Familie belasten: „Ich weiß nicht, wie das auf meinem Account gelandet ist.“ Richterin Sandra Presslaber stellte aber fest, dass alles auf die IP-Adresse der Angeklagten zurückzuverfolgen war: „Für irgendwelche Hacker gibt es keine Hinweise, ich bin überzeugt, dass Sie es waren!“ Zur Hälfte bedingte 960 Euro Geldstrafe ergingen. (fell)

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