„Rafiki“: Verbotene Liebe nach Drehbuch

In Kenia konnte Wanuri Kahius „Rafiki“ erst nach Gerichtsentscheid ins Kino kommen. Ab heute läuft das Drama im Innsbrucker Cinematograph.

Romeo und Julia in einem Vorort von Nairobi: Die homosexuelle Love-Story "Rafiki" sorgte im konservativen Kenia für einen Skandal.
© Trigon Filmverleih

Innsbruck –„Rafiki“ heißt Freund auf Swahili. Doch nicht nur in Kenia beginnen die Probleme dort, wo Freundschaft zu Liebe wird. Die junge Frau Kena hat ein Skateboard, spielt mit ihren männlichen Freunden Fußball und hilft ihrem getrennt lebenden Vater in seinem Laden. Der steht gerade mitten im lokalen Wahlkampf in einem Vorort von Nairobi. Als Kena mit Ziki, der Tochter seines politischen Gegners, anbandelt, wird die Romeo-und-Julia-Geschichte der beiden Mädchen also gleich zum doppelten Drama.

Regisseurin Wanuri Kahiu widersteht in ihrer Adaption einer Kurzgeschichte von Monica Arac de Nyeko zunächst der Versuchung, einen Problem-Film zu erzählen. Sie inszeniert ihren zweiten Langspielfilm konventionell in einem eng begrenzten Handlungsraum, aber mit viel süßer Leichtigkeit und passend zum Namen ihrer Produktionsfirma „AfroBubblegum“ bewusst farbenfroh und am Afro-Futurismus orientiert. Die beiden Darstellerinnen Samantha Mugatsia und Sheila Munyiva sind großartig. Diese unschuldige Leichtigkeit freilich steht im Kontrast zum zweiten Thema, dem Wanuri Kahiu sich widmet: Eine gleichgeschlechtliche Liebe lässt sich auch im Jahr 2019 im religiös-konservativen, extrem homophoben Kenia nicht ohne Diskriminierung von außen erzählen. Homosexualität ist dort ebenso wie in vielen anderen Ländern der Region noch immer ein Tabu – und illegal. Das bekommen auch die beiden jungen Frauen zu spüren, als die Tratschtante des Viertels sie outet. Der Film wurde in Kenia denn nach seiner viel diskutierten Premiere beim Filmfestival von Cannes 2018 auch prompt verboten. Was in westlichen Kinos mehr Zuspruch bringt, ist für das Zielpublikum zu Hause leider ein Bumerang. Nach einer Gerichtsentscheidung konnte er für eine Qualifizierung zum Auslands-Oscar sieben Tage lang in einem Kino gezeigt werden – in ausverkauften Vorstellungen. Nach seiner Tirolpremiere in der vergangenen Woche beim Internationalen Filmfestival Innsbruck kommt „Rafiki“ nun auch regulär ins Kino. (maw)

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