Klangspuren Schwaz: Gegenwelten zum Gepolter der Gegenwart

Die Klangspuren Schwaz widmen sich von 9. bis 22. September dem Thema „Risse“. Gestern wurde das Programm präsentiert.

Die Komponisten Jorge Sánchez-Chiong und Mark Andre, Klangspuren-Leiter Reinhard Kager, Geschäftsführerin Angelika Schopper und Künstler Rens Veltman, der das neue Klangspuren-Sujet entwarf.
© Foto TT/Rudy De Moor

Schwaz –Bisweilen verdankt sich kuratorisches Geschick auch glücklicher Fügung. Als Reinhard Kager „Risse“ als Generalthema der ersten von ihm verantworteten Auflage des Klangspuren-Festivals ankündigte, war noch nicht absehbar, dass das Ensemble Modern Mark Andres Zyklus „riss 1–3“ in Schwaz zu seiner österreichischen Erstaufführung (7. September) bringen wird.

Andre, vielfach ausgezeichneter Erforscher betont fragiler Klangwelten, ist Composer in Residence des diesjährigen Festivals. Er wird im Rahmen der International Ensemble Modern Academy (IEMA) Masterklassen leiten, die heuer im Haus der Musik in Innsbruck stattfinden. Erstmals wird es bei der IEMA auch Improvisationskurse geben. Diese werden vom ersten „Improviser in Residence“ des Festivals, Zeena Parkins, geleitet. Der Improvisation ist von 19. bis 21. September auch der Schwerpunkt „Klangspuren Improv“ gewidmet. Neben Parkins werden u. a. Peter Brötzmann und Otomo Yoshihide auftreten.

Eröffnet werden die 26. Klangspuren am 6. September im Schwazer SZentrum. Auf dem Programm steht dann auch Olga Neuwirths „anaptyxis“ – eine musikalische Befragung des ersten schwarz-blauen Regierungsexperiments. Sein erstes Programm sei durchwegs politisch, so Reinhard Kager: „Ein Festival darf angesichts der derzeitigen sozialen und politischen Veränderungen nicht die Augen verschließen“, sagt er. Nicht nur in Österreich, sondern weltweit lasse sich die Sehnsucht nach starken Führerfiguren feststellen. „Das Vertrauen in die Werte westlichen Lebens schwindet.“ Die Klangspuren wollen auf diese Bedrohungen reagieren. Allerdings nicht in Form von lautstarkem Aktionismus, sondern durch musikalische Ursachenforschung, die „Gegenwelten zum gegenwärtigen Gepolter“ eröffnen soll. Denkanstöße erwartet sich Kager u. a. von Jorge Sánchez- Chiongs Kurzoper „Bill“, die unkontrolliertem Wachstum und explodierenden Rüstungsausgaben eine bittere Rechnung präsentieren will. (jole)

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