“Kleine Germanen“: Disziplin und Rückgrat

„Kleine Germanen“ ist ein Dokumentationsfilm über die Pädagogik der Rechtsextremisten.

Der rechte Verleger Götz Kubitschek und Ellen Kositza lassen die Regisseure von „Kleine Germanen“ mit Belanglosigkeiten auflaufen.
© Filmladen

Innsbruck –Auf der Bühne einer Pegida-Demonstration lobt Martin Sellner die gelungene „national-konservative Revolution“, als wäre er eben zum türkis-blauen Regierungssprecher ernannt worden. In gediegenem Ambiente darf er dann noch erzählen, wie er der wurde, der er geworden ist. Taschengeld gab es nicht umsonst, sondern wurde vom Vater an Leistung geknüpft. Die Aufnahmen sind zwei Jahre alt und inzwischen weiß man mehr über Sellners Identitäre Bewegung, seine Kontakte und E-Mail-Verkehr.

Die Selbstinszenierung, die ihm die Regisseure Frank Geiger und Mohammad Farokhmanesh zubilligen, ist ein hoher Preis für die Mitwirkung prominenter Rechtspropagandisten, die vorführen, wie Kinder zu „Gefangenen ihrer Erziehung” werden.

Der Publizist und rechte Verleger Götz Kubitschek und seine Frau lassen die Filmemacher mit Belanglosigkeiten zu „Disziplin und Rückgrat“ auflaufen. Deutlicher wird Elsas Großvater, der das Mädchen zur Soldatin erziehen will. Elsas mit animierten Bildern erzählte Geschichte zieht sich über 30 Jahre durch den Film. Ausländer werden attackiert, Asylwerberheime angezündet. Die Reflexion von Nazi-Ideologie und Gewalt setzt bei der Erwachsenen und nunmehrigen Mutter eines behinderten Sohnes erst ein, als die Kameraden von ihr ein Opfer verlangen, um dem heilen Bild kleiner Germanen zu entsprechen.

Das könnte als Film funktionieren, wenn die Filmemacher bereit gewesen wären, auch ihre Gesprächspartner mit diesen Bildern zu konfrontieren. (p. a.)

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Im Kino

Kleine Germanen. Ab 14. Derzeit in Innsbruck: Cinematograph.


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