„Burning“: Brennende Obsession

Verrätselte Spiele, die ernst werden: Lee Chang-dongs Thriller „Burning“.

Im Zentrum eines Liebesdreiecks: Shin Hae-mi (Jun Jong-seo).
© polyfilm

Innsbruck –„Burning” war einer der auffälligsten Filme beim Filmfestival in Cannes im vergangenen Jahr. Der Thriller ist inspiriert von einer Erzählung Haruki Murakamis. Der Südkoreaner Lee Chang-dong hat einen atmosphärisch dichten, raffinierten Arthouse-Reißer daraus gemacht.

Protagonist Lee Jong-su ist ein unsicherer Möchtegern-Schriftsteller. Als er seine einstige Mitschülerin Shin Hae-mi wieder trifft, ist er sofort von ihr eingenommen. Beziehung wird daraus keine. Doch immerhin bittet sie ihn nach einer gemeinsamen Nacht, ihre Katze zu füttern, während sie auf Reisen geht. Dass er die Katze nie zu Gesicht bekommen wird, ist noch das kleinste Mysterium des Films. Erinnerungen, Einbildung, Lug und Trug überlappen in „Burning“ einander. Nach Shin Hae-mis Rückkehr kommt ein zweiter Mann ins verrätselte Spiel: Ben (Steven Yeun) ist ganz Playboy und sein seltsamstes Spiel gibt Jong-su gehörig zu denken: Er zündelt in und an alten Gewächshäusern. Die Frage, ob der Kick der titelgebenden Brände für den bösen Ben genug Nervenkitzel ist, treibt Handlung und Spannung an.

Dabei brennt allerdings „Burning“ bis zum Schluss eher langsam. Doch die dichten Szenen ziehen einen immer näher zum Kern der rätselhaften Ménage à trois. Vor dem Hintergrund einer kapitalistisch-desillusionierten Gesellschaft findet Lee Chang-dong saubere Kinobilder einer trügerischen urbanen Oberfläche. In einer Schlüsselszene an der Grenze zu Nordkorea zeigt sich dann auch eine poetische Melancholie des einsamen inneren Feuers. So gesehen bringt der Film alle Facetten seines Titels zusammen. Nur Action-Explosionen gibt es bis zum Schluss keine. (maw)

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