Richtig entscheiden vorm Bekleiden

Weniger ist bei der Mode schwer – und wäre doch mehr: Zu viel ungetragene Kleidung lagert im Kasten oder landet im Müll. Dabei braucht es gar nicht viel, um gut und umweltfreundlich angezogen zu sein.

Voll, aber gut sortiert ist der Kleiderschrank von Farb- und Typberaterin Elfi Knofler. Als warmer Farbtyp trägt sie viel Orange und Beige.
© Foto TT/Rudy De Moor

Von Deborah Darnhofer

Innsbruck –Jeden Morgen die Qual der Wahl: Was anziehen? 76 Kleidungsstücke haben die Tiroler laut der Umweltschutzorganisation Greenpeace durchschnittlich im Schrank. Davon wird aber jedes achte Teil nie getragen. Worauf es bei Kleidung und Kauf wirklich ankommt.

Im Schrank zunächst für Ordnung sorgen (nach Farben, Teilen und Sommer/Winter sortieren) und ausmisten, das schafft Überblick. „Vier bis fünf Hosen und Blazer sowie doppelt so viele Oberteile und Shirts“ pro Sommer bzw. Winter reichen für die pensionierte Farb- und Typberaterin Elfi Knofler für den Berufsalltag völlig aus. Das gelte für Mann wie Frau gleichermaßen. „Es ist nichts dabei, in einer Woche zweimal das Gleiche anzuziehen. Das schmälert nicht den Gesamteindruck einer Person“, betont die 62-Jährige. Wer mehr neutrale Farben und Stoffe (ohne Muster) wählt, kann die Teile öfter anders zusammenstellen.

Vor dem Einkauf geben sinnbildlich Feuer und Eis darüber Aufschluss, welche Farben einem gut passen. Stilberater unterscheiden grundsätzlich zwischen warmen Farbtypen mit rosigem bis goldenem Hautton und kalten Typen mit hellem, blassem Teint. Ersteren stehen Flammenfarben wie jeweils „helles Rot, Orange, Gelb und Braun“. Kalte Farbtypen harmonieren hingegen mit Winterfarben wie „dunklem Blau, Grau und Moosgrün“.

Beim Einkaufen sollte dann kein Stress herrschen und genügend Zeit eingeplant werden. „Wer in Ruhe einkauft, entscheidet sich besser“, sagt die Haller Stilberaterin. Eine Frage ist für sie dabei wichtig: „Für welchen Zweck brauche ich die Kleidung? Das frage ich mich zuallererst.“ Vor dem Kauf geht sie noch im Kopf ihren Schrank durch und überlegt, ob sich das gewünschte Teil gut mit vorhandenen Stücken kombinieren lässt. Nur dann wird es öfters getragen.

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Nach dem Grübeln mehrere Größen probieren. „Nicht jeder passt in Kleidernormen. Deutsche Textilien sind größer, italienische kleiner geschnitten. Wenn es gut passt, ist es egal, ob Größe S, M oder L draufsteht“, sagt Knofler. Locker sitzende Kleidung fühle sich nicht nur besser an, sie sehe auch oft so aus.

Pflege der Kleidung ist nach dem Kauf wichtig, um möglichst lange Freude damit zu haben. „Helle, bunte und dunkle Kleidung unbedingt getrennt waschen“, mahnt Knofler den Waschklassiker ein. „Das erhält die Farbintensität.“ Naturfasern seien grundsätzlich den künstlichen vorzuziehen, weil sie robuster, formstabiler sowie haut- und umweltfreundlicher seien. Ein Blick auf das Etikett lohnt sich.

Polyester, Polyamid, Nylon und Co. lösen sich beim Waschen auch viel schneller auf. Greenpeace hat Polyester-Blusen von acht Anbietern am Wiener Umweltbundesamt waschen und die entwichenen Plastikfasern zählen lassen. Hochgerechnet auf die österreichischen Haushalte landen durch die gewaschenen Teile jährlich rund 126 Tonnen Mikroplastik im Abwasser. Auf Kunstfasern daher möglichst verzichten.

Verwenden statt verschwenden gilt es zu guter Letzt. Je länger Kleidungsstücke getragen werden, desto besser für die Umwelt und desto kleiner die Müllberge. „Aus der Mode ist ein gutes Stück erst in drei bis fünf Jahren“, beruhigt die Stilberaterin. Wem etwas nicht mehr gefällt, dem rät sie zum Tauschen „mit Freunden oder bei speziellen Börsen“.

Eine zweite Chance bekommen Kleider außerdem bei der Altkleidersammlung des Vereins Wams. 325 Container stehen tirolweit an 253 Standorten. Im letzten Jahr wurden damit und an den Sammelstellen in Innsbruck (Reichenauer Straße 80) und Hall (Salvatorgasse 22) insgesamt 2750 Tonnen Bekleidung und Wäsche gesammelt, sortiert und wiederverwertet. 2018 gingen 105.000 Kleidungsstücke in den vier Secondhand-Geschäften des Vereins über die Ladentische. Sie machten ein Drittel des Sortiments aus (daneben stehen u. a. Geschirr, Spielzeug, Bücher, Dekoartikel zum Verkauf).

Gute Stoffe sind beim Sammeln besonders gefragt. „Wir haben einen hohen Qualitätsanspruch in unseren Läden, kämpfen seit Jahren aber mit abgegebener Billigmode. Vieles müssen wir ausmustern“, berichtet Wams-Geschäftsführerin Andrea Romen. Billigware habe oft „miserable Qualität“, sodass sie nach einer Saison nicht mehr getragen werden könne. Zudem sei sie zum Teil nicht recycelbar sowie durch Umweltbelastung und Arbeitsbedingungen als problematisch anzusehen. Teile aus Baumwolle hingegen könnten öfters verwendet werden. So macht der Verein etwa Putzlappen daraus und bietet sie Unternehmen an.


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