Für Schottland ist Premier Johnson „Horrorvorstellung“

Andererseits werde eine Wahl Johnsons die schottische Unabhängigkeitsbewegung stärken, sagte Regierungschefin Nicola Sturgeon dem „Spiegel“.

Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon.
© REUTERS

London – Für die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon ist der frühere britische Außenminister Boris Johnson als Premierminister eine „Horrorvorstellung“. Johnson sei in den Augen der meisten Schotten „vollkommen ungeeignet“, sagte Sturgeon dem Spiegel laut Vorabmeldung vom Freitag.

Andererseits werde eine Wahl Johnsons die schottische Unabhängigkeitsbewegung stärken. Sie sei sich „sicher“, dass es noch vor Ablauf der Legislaturperiode in Schottland ein zweites Unabhängigkeitsreferendum geben werde.

Stichwahl zwischen Johnson und Hunt

Johnson tritt im Rennen um die Nachfolge der britischen Premierministerin Theresa May gegen den amtierenden Außenminister Jeremy Hunt an. Beim fünften Wahlgang der Tory-Abgeordneten hatte er am Donnerstagabend 160 Stimmen bekommen. Hunt erhielt 77 Stimmen. Umweltminister Michael Gove schied mit 75 Stimmen aus.

Der neue Vorsitzende der Tories soll bis Ende Juli gekürt sein, die Entscheidung treffen nun die 160.000 Parteimitglieder. Er wird dann auch Regierungschef und Nachfolger von Premierministerin May.

Harsche Kritik an Johnson

Sturgeon sagte, Johnson sei einer der Hauptgründe für den dramatischen internationalen Ansehensverlust des Vereinigten Königreichs. Johnson habe „als Außenminister seine Inkompetenz und seine mangelnde Redlichkeit eindrucksvoll zur Schau gestellt“, sagte die 48-Jährige dem Spiegel.

„Er hat Schwule beleidigt. Er hat muslimische Frauen lächerlich gemacht. Die meisten dürften Schwierigkeiten haben, sich vorzustellen, wie so jemand als Premierminister Menschen miteinander versöhnen will“, sagte Sturgeon.

Die Regierungschefin und Vorsitzende der Schottischen Nationalpartei (SNP) ließ offen, ob sie nach dem Vorbild Kataloniens gegen den Willen der britischen Regierung ein Unabhängigkeitsreferendum abhalten würde. Aber jeder neue Premierminister müsse sich im Klaren darüber sein, wie „illegitim und undemokratisch“ es wäre, den Schotten die Abstimmung darüber zu verweigern, sagte Sturgeon. Sie sei sich im Übrigen sicher, dass die EU Schottland trotz eines erheblichen Haushaltsdefizits „mit offenen Armen empfangen“ würde. (APA/AFP)


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