Viele Wege zur Berufung: Der Kirche gehen die Pfarrer aus

Am Sonntag wird nur ein Priester in der Diözese Innsbruck geweiht. Bischof Glettler wirbt um neue Kandidaten für geistliche Berufe.

„Man braucht innere Beweglichkeit und muss hinhören, wo es den Ruf Gottes in unserer Zeit gibt", so Herrmann Glettler (Bischof).
© Jungwirth

Von Theresa Mair

Innsbruck –„Unruhig ist die Seele, bis sie Ruhe findet in dir.“ Dieses Zitat des heiligen Augustinus beschreibt den Lebensweg von Leopold Jürgen Baumberger. Unruhe und gleichzeitig die Faszination für ein kirchliches Leben haben den Oberösterreicher seit jeher begleitet. Erst nach dem Pharmazie-Studium und nach Jahren in der Apotheke ist die Sehnsucht wieder aufgetaucht. „Ich möchte den Menschen mitgeben, im Leben etwas zu wagen, auch wenn man sich nicht ganz sicher ist, ob es das Richtige ist. Probieren kostet nichts“, sagt er. Am Sonntag wird der Prämonstratenser in der Stiftskirche Wilten zum Priester geweiht. Er ist der einzige in der Diözese Innsbruck.

Die Weihe steht dem Zillertaler Hannes Dreml noch bevor. Er schließt bald das zweite Jahr im Innsbrucker Priesterseminar ab und auch er hat seine ganz persönliche Berufungsgeschichte. „Es gab eine erste Faszination in der Kindheit, der Funke hat schon gebrannt. Doch mit der Zeit wurde es weniger.“ Es kamen Lehre, Vereine, Freundschaften. Erst eine TV-Doku über einen Seminaristen in München hat das Feuer in Dreml wieder entfacht.

Sr. M. Katharina Margreiter lebt bereits seit zehn Jahren im Orden der Dominikanerinnen in Lienz. Nach der Ausbildung zur Krankenpflegerin in Lienz wurde sie von den Nonnen eingeladen, eine Weile mit ihnen zu leben. Dem Kloster schon immer zugetan, ist sie geblieben.

Anlässlich der Priesterweihe am Sonntag luden die Diözese und Bischof Hermann Glettler zu einer „bewussten Werbeeinschaltung für den geistlichen Beruf im engeren Sinn“. Er selbst habe weder eine Eingebung Gottes gehabt noch ein sonderbares Erlebnis. „Ich habe gespürt, dass ich gebraucht werde. Um in den Masterplan Gottes einzusteigen, braucht es innere Beweglichkeit und man muss hinhören, wo es den Ruf Gottes in unserer Zeit gibt“, sagte der Bischof. Dazu brauche es auch eine berufungsfördernde Mentalität, damit Menschen sich dafür entscheiden, sich mit angemessener Radikalität ganz in die Nachfolge Jesu hineinzustellen. „Der Beruf ist wunderschön, in keinem anderen kann man Menschen von der Geburt bis zum Tod, in guten und schlechten Tagen begleiten.“

Zehn Seminaristen wohnen derzeit im Priesterseminar, das ursprünglich für 100 gebaut wurde. „Wir würden schon hundert brauchen“, sagte Regens Roland Buemberger. Man müsse kein Alleskönner sein. „Es werden hier Leute ausgebildet, für das große Wir.“

Geistliche Berufung

Acht Männer werden am Wochenende in ganz Österreich zu katholischen Priestern geweiht. Insgesamt gibt es heuer 28 Priesteramtskandidaten. Ihr Durchschnittsalter beträgt 37 Jahre, wobei der jüngste 23 Jahre alt, der älteste 60 ist.

Rund 165 Priester sind derzeit in der Diözese Innsbruck aktiv tätig, etwa 30 weitere sind im Ruhestand. Österreichweit wirken an die 3800 katholische Priester.

Das Priesterseminar sowie das Team Berufungspastorat stehen Männern und Frauen, die sich für einen geistlichen Beruf interessieren, für alle Fragen zur Verfügung. Kontakt: Regens Roland Buemberger (roland.buemberger@dibk.at)

Am „Tag der Berufenen" mit Bischof Hermann Glettler finden Jugendliche ab 16 und junge Erwachsene Anregungen zu Fragen des persönlichen Berufsweges: Priester? Orden? Ehe und Familie? Pastoraler Beruf? Termin: 30. Juni 2019, ab 8.30 Uhr im Bischofshaus (Domplatz 5, Innsbruck). Es besteht die Möglichkeit, die Priesterweihe ab 15 Uhr in der Stiftskirche Wilten mitzufeiern. Anmeldung bis 27.6. an priesterseminar@dibk.at


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