Haim-Swarovski startet mit neuer Idee im Kopf

Mit 65 Jahren misst sich Evelyn Haim-Swarovski weiter mit der Dressurelite. Doch nur noch beim diesjährigen Jubiläums-Turnier, wenn es nach ihr geht.

Evelyn Haim-Swarovski mit Stute Delilah.
© Michael Kristen

Von Susann Frank

Fritzens –Für jeden ihrer vierbeinigen Mitbewohner am Schindlhof hat Evelyn Haim-Swarovski etwas übrig. Ochse „Simmerl“ erhält eine Handvoll Müslifutter, Zebra Helmut trockenes Brot und die Hunde und Katzen, die ihren Weg zum Reitstall queren, eine Streicheleinheit. Als Stute Delilah die Schritte ihrer Besitzerin in der Stallgasse vernimmt, spitzt diese die Ohren, grummelt und nimmt dann gefühlvoll mit dem Maul die ihr hingehaltene Karotte an.

Die 14-jährige Fuchsstute ist Haim-Swarovskis Ferrari unter den Pferden im Zuchtgestüt. Mit ihr versucht die 65-Jährige im Dressurviereck, mit der internationalen Konkurrenz Schritt zu halten. Versucht, weil die 65-Jährige gesteht, dass ihr das immer schwerer fällt. Einmal wegen der Professionalisierung im Pferdesport, zum anderen wegen ihres Alters. Deswegen will die passionierte Reiterin neue Wege gehen.

Evelyn und Klaus Haim-Swarovski mit dem ehemaligen Rennochsen Simmerl.
© Michael Kristen

Das 25-Jahr-Jubiläum ihres Manfred & Hilde Swarovski Gedächtnisturniers, das am Freitag um 8 Uhr beginnen wird, ist ihr letzter Vergleich mit der Elite des Reitsports. Falls die weltbeste Reitern Isabell Werth, Dauergast in Fritzens, 2020 wiederkommen sollte, will sich Haim-Swarovski nicht mehr mit der mehrfachen Welt- und Olympiasiegerin messen. „Es wird immer schwieriger, bei den Profis mitzuhalten“, erklärt die Amateur-Amazone: „Mittlerweile besteht fast das gesamte Teilnehmerfeld aus Profis.“ Früher, zu ihren Anfangszeiten vor 34 Jahren, war das auf der internationalen Bühne noch anders gewesen.

Obwohl sie es erneut geschafft hat, beim Heimturnier mitreiten zu dürfen – auch die Hausherrin muss sich dafür qualifizieren –, kommt bei ihr eine Spitzenfeld-Wettstreit-Müdigkeit auf. Und eben aus dieser entwickelte die passionierte Reiterin eine neue Idee: „Bei den Springreitern gibt es einen Klub der Senioren mit einer eigenen Klasse, das würde ich gerne an meinem Turnier auch einführen. Mir schwebt die Klasse Ü60 vor“, sagt sie und hat dafür schon Teilnehmer im Auge. Das ist Zukunftsmusik. In der Gegenwart heißt das Ziel Musikkür. Dafür müsste sie im Grand Prix am Samstag unter den besten 15 Teilnehmern landen. „Und wenn es nicht klappt, habe ich trotzdem gezeigt, dass ich in meinem Alter noch bereit bin, sportliche Leistung zu bringen.“

Auch Zebra Helmut findet sich am Schindlhof wohl.
© Michael Kristen

Auf dem Rückweg vom Reitstall streichelt sie noch einmal über den Kopf von Simmerl. Ein komischer Name für einen 1200 Kilogramm schweren Prachtochsen? Doch als dieser auf den Hof kam, war er ein dünner Renn­ochse, den sie und ihr Mann Klaus Haim vor der Ochsenbraterei retteten. Seither ist halt auch für ihn immer ein Leckerli übrig.

Dressurturnier

Programm: Freitag: 8 Uhr Prix St. Georges; 13 Uhr Grand Prix — Qualifikation für GP Special. Samstag: Intermédiare I; 11.45 Uhr Schauprogramm mit Francois Pignon „König der Freiheitsdressur"; 13 Uhr: GP — Qualifikation für GP Musikkür. Sonntag: GP — Consolation; 9.30 Uhr: GP Special; 12.15 Uhr Schauprogramm mit Francois Pignon, 13.15 Uhr Prämierung: „Wer trägt den schönsten Hut"; 14.15 Uhr GP Musikkür.


Kommentieren


Schlagworte