Feier in Innsbruck mit 26 Verletzten: Aufregung um Kampfgas

Die Ursache für den Zusammenbruch von 26 Hochzeitsgästen ist noch unklar. Ein Messgerät hat Kampfgas angezeigt. Das Ergebnis blieb aber in der Folge unbestätigt.

Der mysteriöse Zwischenfall bei einer Hochzeit löste am Samstagabend einen Großeinsatz aus.
© zeitungsfoto.at

Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Welche Substanz hat am Samstagabend zum Zusammenbruch von 26 Hochzeitsgästen geführt? Eine Frage, die noch unbeantwortet ist. Aber auch eine Frage, die bei der Polizei sämtliche Alarmglocken schrillen lässt. Nicht nur, weil die Hochzeitsgäste am Samstagabend im Innsbrucker Jägerheim fast ausschließlich Tschetschenen waren. Sondern auch, weil Gerüchte über einen Kampfgas-Einsatz kurzfristig für Aufregung sorgten: Möglicherweise kontaminierte Feuerwehrmänner mussten vorsichtshalber ihre Kleidung ausziehen und unter die Dusche. Für die insgesamt zwölf Mann der Berufsfeuerwehr war der Einsatz damit vorzeitig beendet.

Für zusätzliche Brisanz sorgte, dass die Einsatzkräfte nach den ersten ergebnislosen Messungen ihre Atemschutzgeräte bereits abgelegt hatten. Erst dann zeigte ein militärisches Messgerät des Bundesheeres Spuren des Kampfgases an: „Dabei ist eine Damen-Handtasche ins Visier geraten“, bestätigt Landesfeuerwehr-Chemiker Manfred Holzer den Ursprung des Kampfstoff-Gerüchts. Offenba­r falscher Alarm – „weitere Untersuchungen habe­n den Einsatz von Kampfstoffen nicht bestätigt.“

„Wir haben bisher etwa 100 Personen befragt, aber niemand hat eine verdächtige Beobachtung gemacht.“ Christoph Kirchmair (Kripo-Chef)
© ZOOM_TIROL

Doch was war es dann? Holzer vermutete zunächst eine Lebensmittelvergiftung: „Dagegen spricht allerdings, dass die Symptome wie Schwindel, Übelkeit und Atemwegsbeschwerden gleichzeitig auftraten.“ Christoph Kirchmair. Chef der Innsbrucker Kriminalpolizei, sieht das auch so: „Wir haben Speisen und Getränke testen lassen. Ein Zusammenhang mit den Vorfällen ist unwahrscheinlich.“

Eine weitere Möglichkeit ist laut Holzer eine Kohlendioxid-Vergiftung: Das Gas „könnte beispielsweise aus einer defekten Schankanlage ausgetreten sein“. Zu dieser Theorie passen auch die Symptome Schwindel und Übelkeit. „Atemwegsbeschwerden können ebenfalls vom CO² ausgelöst werden.“ Ins Bild passt auch, dass die Messgeräte ohne Ergebnis blieben. „Das Gebäude wurde sofort durchlüftet, das Kohlendioxid verflüchtigt sich sehr schnell.“ Kampfgas hingegen nicht, was dessen Einsatz bei der Hochzeit noch unwahrscheinlicher macht.

Die einfachste Lösung für das Jägerheim-Rätsel ist für den Chemiker Sauerstoffmangel: „Das kann schon passieren, wenn sich viele Menschen auf engem Raum aufhalten.“ Aber auch diese Theorie hat einen Haken: „Sauerstoffmangel führt nicht zu Atemwegsbeschwerden.“ Einen Einsatz eines Kampf- bzw. Reizgases kann Holzer trotz des unbestätigten Mess­ergebnisses nicht ausschließen: „Hilfreich für die Klärung der Ursache wäre eine genaue Aufstellung, wer sich bei der Feier wo befand.“

Ein Großaufgebot an Einsatzkräften war am Samstagabend vor Ort.
© Zeitungsfoto.at

Auch die Polizei ist bei der Ursachenforschung noch nicht weitergekommen: „Wir haben mittlerweile etwa 100 Hochzeitsgäste befragt“, schildert Kirchmair: „Aber niemand hat eine verdächtige Beobachtung gemacht.“ Der Kripo-Chef glaubt nicht, dass sich die Zeugen abgesprochen haben. „Wir haben auch die Patienten und Betroffenen gefragt, aber ebenfalls ohne Ergebnis.“ Die Ermittler erkundigten sich auch, ob sich ein „Spaßvogel“ unter den Gästen befinden könnte. Oder ein Nebenbuhler, der ein Problem mit der Hochzeit hat. Auch davon wussten die Zeugen nichts. „Wir hoffen jetzt, dass uns die Klinik-Ärzte eine Erklärung für den Zustand der Hochzeitsgäste liefern können“, so Kirchmair weiter.

Wie bereits berichtet, löste der rätselhafte Zwischenfall im Jägerheim am Samstag gegen 21 Uhr einen Großeinsatz aus. 65 Sanitäter und fünf Notärzte kümmerten sich um die zahlreichen teils bewusstlosen Opfer, 26 mussten in der Klinik bzw. im Haller Krankenhaus versorgt werden. Auch zahlreiche Feuerwehrmänner, das Bundesheer und Polizeieinheiten waren vor Ort.


Schlagworte