In Hall wird das Wasser-Rad der Zeit zurückgedreht

Eine Rekonstruktion der historischen Antriebsanlage der Münze Hall mit zwei riesigen Wasserrädern soll zur neuen Besucherattraktion werden.

Werner Nuding – Vizebürgermeister, TVB-Obmann und gelernter Drechsler – hat die Anlage mit den 5 1/2-Meter-Wasserrädern selbst ausgetüftelt und gebaut. Die offizielle Eröffnung soll noch im Sommer stattfinden.
© Domanig

Von Michael Domanig

Hall –Viele Passanten und Touristen bleiben bereits stehen und staunen: Direkt neben den Mauern des Museums Münze Hall (Burg Has­egg), mit bestem Blick auf den Münzerturm, drehen sich seit Kurzem zwei gewaltige Wasserräder.

Der Standort ist alles andere als ein Zufall: Genau an dieser Stelle befand sich einst nämlich die Wasserantriebsanlage, mit der die – ab 1571 bestehende – Prägeanlage der Münze Hall in Gang gehalten wurde, ebenso die Blasebälge für die Schmelze.

Bei archäologischen Grabungen, die in den Jahren 2015/16 unmittelbar an den Mauern des Museums Münze Hall stattfanden, waren die hölzernen Fundamente der historischen hydraulischen Anlage entdeckt worden. Nach dem Aufsehen erregenden Fund sei die Idee entstanden, „diesen Antrieb zu rekonstruieren und zugleich eine weitere Attraktion für Besucher zu schaffen“, erklärt Werner Nuding. Er ist nicht nur Haller Vizebürgermeister und Obmann des Tourismusverbandes Hall-Wattens, sondern auch Drechslermeister – und hat die beiden riesigen Wasserräder selbst konstruiert und gebaut. Wie viele – unbezahlte – Arbeitsstunden er in diese Mammutaufgabe gesteckt hat, kann er nicht sagen, es sei jedenfalls auch ein „Riesenspaß“ gewesen.

Anfangs, so Nuding, seien bei der Münze so genannte „rückenschlächtige“ Wasserräder im Einsatz gewesen. Der Haller Amtsbach wurde damals in ca. 2,5 Metern Höhe über ein hölzernes Aquädukt geführt, von dort traf das Wasser auf die (wesentlich kleineren) Räder. Mit diesem Aquädukt habe es aber offenbar Probleme gegeben, weshalb die Anlage durch ein neues, mittelschlächtiges Wasserrad ersetzt wurde, bei dem der Bach zu ebener Erde verlief. „Bei dieser Art von Wasserrädern ist die Energieausbeute viel schlechter, weshalb es größere Räder brauchte“, sagt Nuding. Genau daran hat er sich beim Nachbau orientiert: Die zwei Räder haben fünfeinhalb Meter Durchmesser – was in etwa der historischen Dimension entspricht –, inklusive dem 3,5 Meter langen Wellbaum bringen sie jeweils satte 1,4 Tonnen auf die Waage.

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Für Besucher sieht es so aus, als würden die Räder über einen Bach gespeist. In Wahrheit handelt es sich um einen Kreislauf, bei dem das Wasser neben den Rädern angesaugt und wieder zum Ausgangspunkt hinübergepumpt wird. Laut Nuding fließen aktuell ca. 60 Sekundenliter.

Nebenan, im Inneren des Münzmuseums, steht schon seit 2003 eine voll funktionsfähige Rekonstruktion der historischen Walzenprägemaschine. Sie wurde ebenfalls von Nuding geplant und gebaut. Diese Maschine habe allerdings „viel mehr Teile“ gehabt, sei komplexer und von der Technologie her präziser gewesen, lacht Nuding.

Rund um die neuen Wasserräder bleibt indes noch einiges zu tun: Die Anlage soll begrünt, mit Bänken, einem Weg, einer kleinen Brücke sowie einer Infotafel zur Erklärung versehen werden – und so zum Verweilen einladen. Natürlich werden die Rohre und Betoneinfassungen noch unter der Erde verschwinden. Laut Nuding soll die neue Touristenattraktion – die über den TVB finanziert wird, wobei die Schlussrechnungen noch nicht vorliegen – auf jeden Fall noch im Sommer offiziell eröffnet werden.


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