Boulderpionier Bernd Zangerl spürt wieder den Fels

Nach Absturz, drohendem Karriere-Ende, Meditation, Genesung und neuem Buch ist der Flirscher Boulderer Bernd Zangerl zurück.

Seine wiedererlangte Fitness nach schwerer Verletzung motiviert Bernd Zangerl aus Flirsch – wie hier im Tessin – zu neuen Herausforderungen. Am Samstag kürt er mit acht Profis in Galtür Kletterer bei der Boulder-Jam „All Senses – Meister der Sinne".
© Künzi/Zangerl

Von Toni Zangerl

Flirsch, Galtür –Bernd Zangerl aus Flirsch zählt mit seinen mittlerweile 40 Jahren zu den Pionieren der internationalen Boulderszene. Und auch mit diesem Alter gibt es für den Globetrotter in Sachen Bouldersport noch kein Limit. Obwohl: „Seit jenem Sturz im Dezember 2015 im Tessin, der mich rund drei Jahre während mühevoller, aber erfolgreicher Rehabilitation am Bouldern hinderte, denke ich intensiver, klettere bewusster und nachhaltiger“, sagt er im TT-Gespräch.

Bouldern, so nennt sich das Klettern an gewaltigen Felsblöcken ohne Seilsicherung, nur mit einer Matte (Crashpad) am Boden. Und eben solch ein Block (Felsen) schien 2015 im Tessin seine jahrelange Leidenschaft, Beruf und Berufung jäh zu stoppen.

Der Red-Bull-Athlet krachte nach einem Sturz auf den Rücken. Die Schmerzen waren vorerst erträglich, aber tags darauf war der Weg ins Krankenhaus unausweichlich.

Auf drei Jahrzehnte Bouldersport blickt Bernd Zangerl (40) mit Freude zurück und bringt seine Eindrücke in seinem neuen Buch zu Papier.
© Künzi/Zangerl

„Ich schlich wie eine Mumie ins Bad, die Augen waren blutunterlaufen“, schildert er. Und die Diagnose nach der Magnetresonanz-Untersuchung war niederschmetternd. Der fünfte Halswirbel war gebrochen, der sechste angeknackst. Die darunter zusammenlaufenden Nerven zur Muskulatur in den Armen und jene unter dem Schulterblatt waren zerstört. In der Folge kam es zur starken Muskel-Atrophie (Muskelschwund) im rechten Arm.

„Der Arm war nicht mehr zu gebrauchen, hing nur noch herunter. Ärzten zufolge war meine Karriere als Kletterer vorbei, abrupt beendet. Denn anders als 2005, als mir eine Operation an den Fingern Heilung garantierte, war es diesmal anders. Eine Operation lehnte ich daher ab. Und heute – schau her, ich bin wieder topfit, ganz sicher zu 100 Prozent“, lachte Zangerl.

Schulmedizinisch wohl nicht erklärbar. Aber ein Heiler hat ihn wieder in mühsamer Reha zurück ins sportliche Leben gebracht.

Wie? „Einfach gesagt war es rein durch intensivste und ausdauernde Meditation möglich“, sagt Bernd Zangerl. Der rechte Arm ist wieder top, die Sache mit den Wirbeln stört ihn nicht besonders, auch wenn sie noch nicht völlig okay sind. „Aber ich kann wieder klettern, ohne Einschränkung. Ich bin unendlich froh und dankbar.“

Seine gesundheitlich bedingte Abwesenheit vom Bouldersport nützte der Flirscher, um ein Buch zu schrei­ben. Dieses wird das erste Standardwerk über Bouldern sein. Der Titel lautet treffend: „Bernd Zangerl – Bouldern“. Es erscheint am 22. August im Verlag Bergwelten. Auch beim Filmfest in St. Anton wird Zangerl damit präsent sein.

Was Zangerl in diesem Bildband auf 220 Seiten und 120 unglaublich tollen Bildern der weltbesten Szene-Fotografen präsentiert und mitteilen will? „Es ist der erste Bildband, der die über 100-jährige Geschichte des Bouldersports von den Anfängen bis zu Olympia dokumentiert. Motivation, Natur, Respekt vor Outdoorsport, Reglements bis hin zu Naturschutz und wie man Kids sinn- und verantwortungsvoll zu diesem tollen Sport hinführen soll. Gastautoren sind u. a. die Bouldergrößen John Gill oder Fred Nicole.“

Apropos Kids: Zangerl ist es eine Herzensangelegenheit, die Jugend für das Bouldern zu begeistern. Dazu hilft am Samstag, den 17. August, in Galtür die Boulder-Jam „All Senses“. Gefühl statt Kraft heißt es da, wenn Zangerl zusammen mit 16 in Selektionen qualifizierten Boulder-Talenten, begleitet von acht Profis, den „Meister der Sinne“ im Silva-Park kürt. Start ist um 9.30 Uhr im Silva-Park, das Finale um 16 Uhr. Weitere Infos über Zangerl unter: www.berndzangerl.com


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