In der Römerstadt Aguntum auf eine Kultstätte gestoßen

In seiner letzten Funktionsperiode als Grabungsleiter in der Römerstadt Aguntum präsentierte Michael Tschurtschenthaler die Ergebnisse der siebenwöchigen Arbeiten. Die Forscher legten eine Kultstätte frei.

Grabungsleiter Michael Tschurtschenthaler, Vereinsobmann Leo Gomig und Werner Lamprecht nahe den freigelegten Fundamenten der Kultstätte (v. l.).
© Christoph Blassnig

Von Christoph Blassnig

Dölsach –Es kommt nur einmal im Forscherleben vor, dass man einen solch bedeutenden Fund präsentieren kann. Der Grabungsleiter in Aguntum, Michael Tschur­tschenthaler von der Universität Innsbruck, ein Mann der ruhigen Worte, konnte seine Freude bei der Vorstellung der heurigen Grabungsergebnisse in Tirols einziger Römerstadt Aguntum nicht vollständig verbergen.

Schon letztes Jahr sind die Archäologen mitten im Forum, dem Hauptplatz der antiken Siedlung, auf der Suche nach neuen Erkenntnissen langsam in die Tiefe vorgestoßen. Heuer haben die mit den Grabungen beschäftigten Frauen und Männer dann die Fläche um die Sondierung freigelegt. „Wir sind mit größter Wahrscheinlichkeit auf die Fundamente einer kultischen Stätte, vielleicht auch eines Tempels mitten im Zentrum der Stadt gestoßen“, berichtete Tschurtschenthaler. Damit könnten in Aguntum zum ersten Mal die Überreste eines Kultbaus entdeckt worden sein, hundert Jahre nachdem die ersten professionellen Ausgräber sich auf die Suche nach einem solchen gemacht haben. „So ist das in der Archäologie“, schmunzelte der Forscher, der heuer auch zum letzten Mal als Grabungsleiter in Aguntum tätig war und nächstes Jahr in den Ruhestand versetzt wird. Sein Nachfolger in der wissenschaftlichen Betreuung der Ausgrabungen wird Martin Auer.

Das Bauwerk sei exakt an den Diagonalen des Forums ausgerichtet gewesen. Die Grundmauern sind erst einen Meter tief und nur zum Teil freigelegt. In den Ecken zeigen sich leicht vorstehende Fundamente. In der Nord-Süd-Richtung betragen die Abmessungen fünf Meter, von Ost nach West mindestens sechs. „Es muss sich um ein sehr wichtiges Gebäude gehandelt haben, weil es im Zentrum des Verwaltungsbezirkes stand, der sich über Osttirol und das Südtiroler Pustertal erstreckte“, folgerte der Professor. Die Entdeckung sei ebenso bedeutend wie jene der Markthalle (Macellum) und des Atriumhauses.

Gomig und Tschurtschenthaler besprechen Fundstücke.
© Christoph Blassnig

Im ehemaligen Handwerkerviertel nördlich des Forums förderte die siebenwöchige Grabungszeit sehr viele kleine Funde zu Tage: Sesterzen aus verschiedenen Epochen, Bergkristalle und Scherben von Tafelgeschirr. Darunter auch Reste kunstvoll gestalteter Tongefäße allerhöchster Güte, die aus dem Gebiet um München bis zum Oberrhein stammen. „Das lässt sich aufgrund der Machart genau sagen, weil damals nur wenige Töpfer so reinen Ton zu gewinnen imstande waren“, erklärte Tschur­tschenthaler. Sein Nachfolger Martin Auer hat sich in seiner Doktorarbeit, die heuer auch in Buchform erschienen ist, eingehend mit der Keramik in Aguntum beschäftigt. „Eine Besonderheit, die es sonst nirgendwo in Österreich gab, waren die Aguntiner Näpfe.“

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Indes schreiten die Baumaßnahmen für das neue Museumscafé und das Besucherzentrum Aguntums voran. Der Pächter der Gaststätte wird sein Lokal ganzjährig bewirtschaften. Bis Ende Oktober sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. In Planung ist weiters die Schaffung von 50 Parkplätzen sowie von neuen Zu- und Ausfahrten.

Die Gäste werden im neuen Bereich empfangen und verabschiedet. Das Café soll ein Ort der Kommunikation werden.
© Curatorio pro Agunto

Kommentieren


Schlagworte