“Besatzungskinder“: Getrieben von der Suche nach dem Vater

In vielen Familien jahrzehntelang verschwiegen, suchen so genannte „Besatzungskinder“ und deren Enkel bis heute ihre leiblichen Väter – teils mit Erfolg.

Eher selten: Eine britisch-österreichische Hochzeit in Graz.
© Sammlung Stelzl-Marx

Von Liane Pircher

Vera-Maria F. mit ihrem Großvater, einem überzeugten Kommunisten, in Wien. Ihr Stiefvater, ein ehemaliger „Russlandkämpfer“, lehnte hingegen die Tochter eines sowjetischen Besatzungssoldaten ab.
© Sammlung Stelzl-Marx

Innsbruck — Es ist ein Thema, das selbst die Geschichtsforschung lange Zeit möglichst ausgeblendet hatte: In Österreich und Deutschland sind nach dem Zweiten Weltkrieg mindestens 30.000 Kinder von alliierten Soldaten und einheimischen Frauen zur Welt gekommen — nach Liebesbeziehungen, Affären, aber auch nach Vergewaltigungen. Zu Kontakten zwischen einheimischen Frauen und Angehörigen der stationierten alliierten Armeen kam es in allen vier Besatzungszonen — mit US-Amerikanern (u. a. auch afroamerikanische GIs), Sowjets, Briten oder Franzosen. Während es in Ostösterreich vor allem Kinder von Rotarmisten, also russischen Soldaten waren, gab es in Tirol — das Teil der französischen Besatzungszone war — eher Kinder mit marokkanisch-französischen Soldaten. Zu Ende des Zweiten Weltkriegs waren immerhin zwischen 22.000 und 30.000 Soldaten und Offiziere der französischen Kolonialtruppen in Vorarlberg und Tirol stationiert.

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