Schießen wie ein Kaiser: Pfundser Schützen mussten mit Armbrust treffen

Mit einer ungewohnten Waffe mussten gestern die Schützen in Pfunds treffen – wie zu Zeiten Maximilians I. wurde mit der Armbrust geschossen.

Ein ungewohntes Bild – die Schützen mussten gestern mit der Armbrust treffen.
© Reichle

Von Matthias Reichle

Pfunds — Die Sehne ist gespannt, der Pfeil eingelegt und der kleine metallene Sicherungsbolzen nach vorne geschoben. Dann gibt es nur noch den Schützen, seine Armbrust und sein Ziel. Ein Ruck am Abzug und schon schnellt der Mechanismus nach vorn. Die Spitze bohrt sich mit einem dumpfen Schlag 15 Zentimeter tief neben die anderen Pfeile in die 20 Meter entfernte Papierscheibe.

Schützenmajor Fritz Gastl, Obmann Christoph Pinzger und Schützenhauptmann Arnold Wachter (v. l.) luden zum Bewerb.
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„Der hat 350 bis 400 km/h", erklärt Andreas Tschiderer, der gestern die Standaufsicht hat. Mit einem Seil spannt er die Armbrustsehne nach. „Gar nicht so einfach!" 75 Kilo Kraft sind dafür nötig. Dann wird sie dem Schützen zurückgegeben, der nächste Pfeil nachgelegt. „99 Prozent machen das heute zum ersten Mal", erklärt er.

Schießen wie zu Zeiten von Kaiser Maximilian I. — in Pfunds wandelte man gestern auf den Spuren des Habsburgers. Der ist nachweislich mit der Armbrust auf die Jagd gegangen. „Hörschutz brauch' ich hier nicht", lachen Teilnehmer, die zum „Jakob Lauterer"-Landes- und Regimentspokalschießen nach Tschingls gekommen sind und sich in der so genannten „Maximilianwertung" versuchen. Anders als am nahen Karabinerschießstand, von dem es regelmäßig herüberknallt, bleibt es hier ruhig. Die Konzentration knistert.

Es war ein Einfall anlässlich des heurigen Maximilianjahres — die Teilnehmer müssen nicht nur mit dem gewohnten Karabiner treffen, sondern auch mit der historischen Waffe. Die Idee dazu kam vom Pfundser Schützenobmann Christoph Pinzger. „Das Schützenwesen hat mit der Armbrust angefangen", betont er.

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In Tschingls, dem Ort des gestrigen Wettkampfs, ist der Kaiser außerdem auf die Pirsch gegangen und hat — laut Ortschronik — eine Lappjagd durchgeführt. Damals muss es einen ähnlichen Trubel in den abgelegenen Wiesen gegeben haben wie gestern. Insgesamt 260 Teilnehmer kommen an zwei Tagen den Wettbewerben — davon nehmen fast alle in der Maximilianwertung teil. „Rund 3700 Schuss wurden mit dem Karabiner abgegeben", so Pinzger. Der jährlich stattfindende Wettbewerb ist der größte seiner Art in Tirol. Heuer erzielte man zudem einen Teilnehmerrekord.

Die Sicherheit und dass das Schießen kontrolliert abläuft, war Viertelkommandant Mjr. Fritz Gastl wichtig: „Bei der Armbrust glaubt man schnell, dass das ein Spielzeug ist, aber es ist eine tödliche Waffe." Rund 80 Helfer waren nötig, damit die Bewerbe, zu denen das Schützenregiment Oberinntal und die Schützenkompanie Pfunds geladen hatten, geregelt durchgeführt werden konnten.

Dass ein guter Treffer schon beim Spannen der Waffe beginnt, erklärte Egon Pinzger, der ebenfalls am Stand assistiert: „Man muss schauen, dass man gleichmäßig aufzieht"— sonst zieht der Pfeil nach links oder rechts.

Und die Teilnehmer — obwohl mit der Armbrust unerfahren — schlugen sich tapfer. „Die Damen waren bemerkenswert treffsicher", zeigt sich Christoph Pinzger beeindruckt — er ist selbst auf den Geschmack gekommen. „Ich schieße inzwischen lieber mit der Armbrust." Ein Tipp für Einsteiger: „Ein Glaserl Rotwein für den Blutdruck, dann trifft man auch", rät er.

Kraft ist nötig, um die Waffen zu spannen, aber auch um die Pfeile herauszuziehen.
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