Proteste am Flughafen: Lufthansa streicht alle Flüge nach Hongkong

In der Nacht war die Polizei wieder mit Tränengas gegen die Regierungskritiker vorgegangen. Den vierten Tag in Folge gab es daraufhin eine Kundgebung im Hongkonger Flughafen. Alle Abflüge wurden wegen der Proteste gestrichen.

Zum Wochenende werden weiter Proteste erwartet.
© AFP

Hongkong – Die AUA-Mutter Lufthansa hat wegen der anhaltenden Proteste am Flughafen Hongkong mehrere Flüge in die Millionenmetropole gestrichen. Betroffen sind Lufthansa-Verbindungen von München und Frankfurt sowie der Swiss nach Zürich, wie ein Konzernsprecher am Montag mitteilte. Die Entscheidung gelte zunächst nur für den Montag, die Lage müsse in den Folgetagen jeweils neu bewertet werden.

Aus der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong starteten aktuell ohnehin keine Flieger mehr. Dort stünden derzeit zwei Lufthansa-Langstrecken-Jets. Den betroffenen Passagieren bietet das Unternehmen kostenfrei Umbuchungen an.

Keine Informationen über betroffene Österreicher

Über mögliche betroffene Österreicher gibt es noch keine Nachricht. „Es gibt noch keine Informationen über Fälle, wo jemand nicht abreisen kann“, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Peter Guschelbauer, am Montag der APA auf Anfrage. Er wies darauf hin, dass der August nicht die Hauptreisesaison in der Wirtschaftsmetropole sei.

Das Generalkonsulat in Hongkong „beobachtet die Situation sehr genau“ und sei auch mit einigen Österreichern im Kontakt. Zudem sei schon seit einiger Zeit auf die Demonstrationen hingewiesen worden, sagte der Sprecher.

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Der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong wird weiterhin die höchste Sicherheitsstufe bescheinigt, das Außenministerium empfiehlt aber dringend dazu, „sich von Demonstrationen fern zu halten“. Den Anordnungen der Sicherheitskräfte sei „unbedingt Folge zu leisten“, heißt es in den am heutigen Montag aktualisierten Reisehinweisen.

„Für die nächste Zeit ist mit weiteren Demonstrationen zu rechnen“, schreibt das Wiener Außenamt. Diese würden „in der Regel friedlich verlaufen“, doch komme es im Umkreis der Demonstrationszüge „immer wieder zu Ausschreitungen gewaltbereiter Gruppen mit Verletzten, schweren Sachschäden und dem Einsatz von Tränengas, Pfefferspray und Gummigeschoßen“.

Die Anti-Regierungs-Proteste hatten am Montag zur Einstellung des Flugverkehrs auf dem Hongkonger Flughafen, einem der wichtigsten Airports weltweit, geführt. Die AUA ist davon nicht betroffen. Sie hat eigenen Angaben zufolge die Hongkong-Flüge seit Oktober vergangenen Jahres eingestellt.

Proteste gegen Polizeigewalt

Tausende Demonstranten versammelten sich in Hongkong in der Abflugs- und Ankunftshalle, um gegen Regierung und Polizeigewalt bei vorangegangenen Protesten in der Stadt zu protestieren. Wie der Flughafen mitteilte, wurde der Check-in für die verbleibenden Flüge wegen ernsthafter Störungen des Betriebs ausgesetzt.

Schwarz gekleidete Aktivisten skandierten im Flughafen Parolen. Die Polizei solle einem Demonstranten, der durch ein Gummigeschoß schwer im Gesicht verletzt worden war, sein Auge „zurückgeben“. Auch zeigten sie Bilder von Polizisten, die mit Schlagstöcken und Tränengas gegen die Demonstranten vorgegangen waren. Bereits am Wochenende hatten Hunderte Demonstranten am Flughafen demonstriert, wodurch der Flugbetrieb aber nicht groß verzögert wurde.

Ausschreitungen beinahe täglich

In der einstigen britischen Kronkolonie Hongkong kommt es seit zwei Monaten immer wieder zu massiven Protesten, die regelmäßig mit Ausschreitungen enden. Am Wochenende war es in der Finanzmetropole erneut zu heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen.

Auslöser für die Demonstrationen war ein – inzwischen auf Eis gelegter – Gesetzentwurf zur Auslieferung mutmaßlicher Krimineller an China. Die Demonstrationen entwickelten sich zu einer breiteren Bewegung. Viele Menschen befürchten einen zunehmenden Einfluss Pekings auf das Leben in der Finanzmetropole und fordern demokratische Reformen.

Chinas Regierung mahnt immer energischer, die Ordnung in der Sonderverwaltungszone wieder herzustellen und die Gewalt zu beenden. Yang Gang, der Sprecher der für Hongkong zuständigen Behörde, warf den gewaltbereiten Demonstranten zuletzt „erste Anzeichen von Terrorismus“ vor. In den letzten Tagen hätten „radikale Demonstranten“ wiederholt Polizisten mit „äußerst gefährlichen Werkzeugen“ angegriffen.

Dies sei eine ernsthafte Bedrohung für die Sicherheit der Menschen in Hongkong. Die „Kriminellen“ müssten so schnell wie möglich vor Gericht gebracht werden, sagte der Sprecher weiter. (APA/Reuters/dpa)

In der Nacht waren die Polizeikräfte noch verstärkt im Einsatz.
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