Kampf gegen Allergie-Kraut

Ragweed ist eine große Gefahr für betroffene Allergiker. Eine neue App soll die Verbreitung eindämmen. Auch politisch wird gegen das schwer allergene Unkraut zu Felde gezogen.

Sieht harmlos aus? Von wegen. Einer von zehn Österreichern ist allergisch auf Ragweed, auch bekannt als Ambrosia, Fetzenkraut oder beifußblättriges Traubenkraut.
© MedUni Wien/Bastl

Von Nina Werlberger

Innsbruck –Allergiker fürchten es ebenso wie Landwirte: Das Unkraut Ragweed, auch bekannt als Ambrosia oder Traubenkraut, sorgt immer öfter für Pollenalarm in Österreich. Rund zehn Prozent aller Menschen im Land reagieren allergisch darauf. Wenn jetzt im August die Blütezeit beginnt, drohen Betroffenen mitunter massive allergische Reaktionen.

Um dem Unkraut den Kampf anzusagen, haben Mediziner und Politiker nun einiges ins Rollen gebracht. Der Pollenwarndienst der MedUni Wien entwickelte eine Ragweed-Finder-App, die Allergikern, Forschern und Landwirten helfen soll, das schwer allergene Kraut zu finden und zu bekämpfen. Ziel ist es auch, in der Folge bessere Therapien zu entwickeln und den Menschen dabei zu helfen, Ragweed überhaupt als solches zu erkennen und zu melden. Die Mediziner haben in Kooperation mit allen Landesregierungen einen Aktionsplan entworfen, damit blühende Ragweed-Pflanzen rasch abgemäht und vernichtet werden können. „Wenn jemand ein Feld meldet oder auch einzelne Pflanzen, dann wird so rasch wie möglich gemäht“, erklärten Uwe E. Berger und Katharina Bastl vom Pollenwarndienst der MedUni Wien in einer Mitteilung.

Ragweed wuchert unter anderem an Böschungen und in Äckern, aber auch in Gärten. Die Experten der MedUni Wien warnen, dass nur Menschen das Unkraut entfernen sollen, die nachgewiesenermaßen nicht allergisch auf die Pflanze reagieren. Dabei sollten sie Handschuhe tragen. Ragweed darf nicht auf dem Kompost landen, sondern sollte in Plastiksackerln verschlossen in den Sondermüll geworfen werden.

Besonders stark wuchert das Unkraut in Ostösterreich. Vor allem das Burgenland ist stark betroffen, aber auch in Teilen der Steiermark, Kärntens, Niederösterreichs und in Wien kommt das Unkraut häufig vor. Das zeigt der Ragweed-Finder der MedUni Wien. In Tirol zeigt die Karte derzeit wenige Funde an. Aus dem Tiroler Landhaus heißt es, dass es vom Ragweed Einzelvorkommen in Nikolsdorf in Osttirol sowie in Silz und Rietz gibt. Es sei daher „ein gewisses Schadpotenzial für Ackerflächen“ gegeben. Vor allem Hackfrüchte wie Mais oder Kartoffeln seien gefährdet, allerdings halten die Experten im Land die potenziellen Auswirkungen für eher gering. In einer Info des Tiroler Neophyten-Kompetenzzentrums heißt es, problematisch großflächige Bestände seien entlang des Straßennetzes im Oberinntal aufgetreten.

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Österreichweit wurden laut dem Pollenwarndienst in der diesjährigen Ragweed-Saison bereits 814 Funde gemeldet und 725 verifiziert. Das stark betroffene Burgenland sagt dem Plagegeist nun als erstes Bundesland auch gesetzlich den Kampf an.

Die rot-blaue Landesregierung präsentierte kürzlich den Entwurf für ein Gesetz, das Anfang 2020 in Kraft treten soll. Meldepflicht ist darin zwar keine festgelegt, aber Grundstücksbesitzer werden künftig dazu angehalten, die Pflanze zu entfernen und zu entsorgen. Tun sie das nicht, könnten am Ende Strafen von bis zu 3000 Euro drohen. Argumentiert wird das geplante Gesetz damit, dass sich Ragweed rasant ausbreite, Ernten bedrohe und Allergiker schädige.

Interesse an einem ähnlichen Gesetz zeigen die Steiermark und Niederösterreich. Und hierzulande? „Die Tiroler Landesregierung ist sich der Bedeutung dieses Themas bewusst“, teilt Florian Kurzthaler, Vorstand der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit, mit. Die Fachabteilungen würden derzeit detailliert prüfen, welche Maßnahmen im Zusammenhang mit Ragweed gesetzt werden können und sollen. Das Ergebnis dieser Prüfung stehe aber noch aus.

Die Heuschnupfen-Geplagten im Land müssen sich laut „Pollen Countdown“ bis Ende August übrigens für die Blütezeit des Nessel- und Glaskrauts sowie des Beifußes rüsten. Die Belastung durch diese Allergene sei allerdings eher niedrig. Insgesamt sind etwa 15 Prozent der Bevölkerung von Heuschnupfen geplagt. In Tirol dürften 80.000 bis 100.000 Menschen betroffen sein.

Was ist Ragweed?

Gefährliches Unkraut: Das Ragweed wird auch Ambrosia, Fetzen- oder Traubenkraut genannt. Es gilt als sehr starkes Allergen und kann bei den Betroffenen zu schweren Komplikationen wie anaphylaktischem Schock, der schwersten Ausprägung einer allergischen Reaktion, führen. Es kann ein starker Heuschnupfen hervorgerufen werden, oft mit Asthma als Folgeerscheinung. Auch arge Schwellungen von Armen und Beinen sind möglich.

Blüht in Stadt und Land: Ragweed wuchert nicht nur auf Feldern und in privaten Gärten, es wächst auch stark an von Menschen beeinflussten Orten wie Straßenrändern, Kiesgruben, Schutthalden, Baustellen und Äckern.

Hilfe per Handy: Die MedUni Wien will mit einer App dazu beitragen, Ragweed besser zu erkennen, zu reduzieren und zu melden: https://www.ragweedfinder.at. Detaillierte Informationen sind auch beim Tiroler Neophyten-Kompetenzzentrum an der Uni Innsbruck erhältlich.


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