Auf der Alm, da ist was los

Die Lebensraum Tirol Holding will Tirols Almen zu neuen Höhen verhelfen. Geplant sind zahlreiche Projekte – vor allem im kulinarischen sowie Erlebnis-Bereich.

Machten sich auf der Schlickeralm oberhalb von Fulpmes für Almen stark: LH Günther Platter, Josef Margreiter (Lebensraum Tirol Holding), Ingrid Schneider (Tirol Werbung), Theresa Leitner (MCI) und Matthias Pöschl (Agrarmarketing Tirol; v. l. n.r.).
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Von Irene Rapp

Fulpmes –Keine Frage: Tirols Almen sind ein Sehnsuchtsort. Das sagt nicht nur LH Günther Platter, der auf einer Bank vor der Schlickeralm oberhalb von Fulpmes sitzt. Auch Theresa Leitner vom MCI, die sich mit dem Thema wissenschaftlich beschäftigt, bestätigt den Eindruck. „Die vielfältige Landschaft, das starke Naturerlebnis – all das übt eine große Anziehungskraft aus“, sagt sie.

Ein wertvoller Wirtschafts- und Erholungsraum also, der laut Platter noch mehr Unterstützung verdient. Nach dem Pinnistal-Urteil hatte er daher die Lebensraum Tirol Holding beauftragt, sich des Themas anzunehmen.

Zur Erinnerung: Im Pinnistal war 2014 eine deutsche Wanderin von Kühen eines Stubaier Landwirts getötet worden. Dieser soll 180.000 Euro sowie eine monatliche Hinterbliebenenrente an den Ehemann und dessen Sohn bezahlen. Die Verunsicherung war groß, hat sich aber wieder ein wenig gelegt, wie Platter betont.

Doch wie soll man den rund 2000 Tiroler Almen unter die Arme greifen? Auf der Schlickeralm trafen sich am Montag Vertreter der Lebensraum Tirol Holding, um die diesbezüglichen Projekte zu präsentieren. Unter dem Dach der landeseigenen Gesellschaft finden sich Tirol Werbung, Agrarmarketing Tirol und Standort­agentur – dementsprechend breit gefächert ist das Vorhaben.

Die Tirol Werbung etwa bewirbt das Erlebnis Alm seit dem Frühsommer auf acht Märkten. „Unter dem Titel ‚Kulinarische Wanderungen‘ stellen wir besondere lukullische Erlebnisse in den Bergen in die kommunikative Auslage“, sagt Ingrid Schneider, Leiterin von „urlaub.tirol“.

Großes vor hat auch die Agrarmarketing Tirol. Geplant ist, das Produkt „Tiroler Almkäse“ mit geschützter Ursprungsbezeichnung EU-weit lizenzieren zu lassen. „Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal“, betont Geschäftsführer Matthias Pöschl. Weil allerdings nur wenige Almen eigene Lagermöglichkeiten für die Käseherstellung haben, soll in Zusammenarbeit mit acht Kleinsennereien ein „Tiroler Felsenkeller“ geschaffen werden. Den Standort dafür im Tiroler Unterland gibt es bereits, Probebohrungen haben auch stattgefunden, die Finanzierung steht. Nun müssen nur noch sämtliche behördlichen Genehmigungen eingeholt werden. „Ab 2022 könnte dann bereits der ‚Tiroler Almkäse‘ hergestellt werden“, so Pöschl.

Ein anderes Projekt ist die „Erlebnisalm“. Ein entsprechendes Konzept wurde von der Universität Innsbruck und der Fachhochschule Kufstein erarbeitet und sieht vor, dass Interessierte auf den Almen bei Führungen in das Alm-Leben eintauchen können. Auf der Schlickeralm befindet sich dieses Konzept derzeit in Umsetzung.

Die Konsumenten seien jedenfalls bereit, für auf der Alm produzierte Lebensmittel auch ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen. „Hochwertige Almprodukte sind bei der richtigen Vermarktung ein Gewinn entlang der gesamten Wertschöpfungskette und stärken die gesamte Region“, erzählt Hans Plattner, Geschäftführer der Firma Hörtnagl. Seit Jahren vermarktet das Unternehmen gemeinsam mit 15 Almen etwa das Tiroler Almschwein. „Als Wertschätzung für das Produkt zahlen wir den Bauern den doppelten Preis wie für ein normales Schwein“, berichtet Plattner.

Für Josef Margreiter, Geschäftsführer der Lebensraum Tirol Holding, ein Schritt in die richtige Richtung. „Den schönen Worten müssen jetzt noch mehr Taten folgen. Regelmäßige Alm-Stammtische sollen künftig diesen Austausch auf Augenhöhe fordern“, sagt er.

Bei diesen Treffen könnte aber auch eine weitere Entwicklung zum Thema werden: „Die Anzahl der Milchkühe und der Almfutterflächen geht zurück, Almen wachsen teilweise zu“, weiß Theresa Leitner vom MCI um besorgniserregende Veränderungen in der Landwirtschaft. Und sie präsentiert noch ein anderes brisantes Detail: Die Baumgrenze im alpinen Bereich läge ohne Almwirtschaft um rund 300 Meter höher.


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