“Toy Story 4“: Wegwerfen ist keine Alternative

Pixar holt auch im vierten Teil der „Toy Story“-Reihe universellen Humanismus aus der digitalen Spielzeugkiste.

Cowboy Woody nimmt sich in „Toy Story 4: Alles hört auf kein Kommando“ des selbstgebastelten Spielzeugs Forky an.
© Pixar

Von Marian Wilhelm

Innsbruck –Ein Göffel ist das neueste Spielzeug in der „Toy Story“-Spielzeugkiste. Die kindgerechte Mischung aus Gabel und Löffel wird von Kind Bonnie an ihrem schwierigen ersten Kindergartentag mit Füßchen, Kulleraugen und Drahthänden als Forky zum Leben erweckt – kein kommerzielles Disney-Toy, sondern ein selbstgebasteltes Spielzeug also. Das neue Lieblingsspielzeug hilft ihr durch den Tag. Wer sich noch an die eigenen Tränen am ersten Kindergartentag erinnern kann, wird hier sofort wieder in die universelle Welt des Films hineingezogen. „Toy Story“-Held Woody (im Original mit der vertrauten Stimme von Tom Hanks, auf Deutsch Michael Bully Herbig) weiß, dass er seinem Kind beistehen muss. Da hilft es nicht, dass Göffel Forky eher geringes Selbstwertgefühl mitbringt: Er sieht sich noch immer als Abfall und büxt ständig Richtung Müllkübel aus. Frei nach dem Motto des Liedes „I Can’t Let You Throw Yourself Away – Schmeiß dich bitte nicht so einfach weg“ will sich der unerschrockene Sheriff Woody mit dem geretteten Forky zu den anderen Spielzeugen zurückkämpfen.

Die Welt aus Spielzeug-Perspektive: Mit diesem Rezept überzeugte Pixar-Mastermind John Lasseter 1995 kleines und großes Publikum mit dem ersten abendfüllenden Animationsfilm aus dem Rechner. Die beiden „Toy Story“-Fortsetzungen 1999 und 2010 folgten in gebührendem Abstand – und wurden nicht zum billigen Ausverkauf. Mit der vielleicht einzigen perfekten Trilogie der Filmgeschichte waren die Erwartungen an Teil vier natürlich hoch. Doch Pixar mit den Autoren Andrew Stanton und Stephany Folsom und Regisseur Josh Cooley enttäuschen auch dieses Mal nicht. Die Witze der Nebenfiguren sitzen, das Tempo ist angenehm hoch, Tränenmomente gibt es nicht zu wenig und auch die Erwachsenen kommen mit ernsteren Lebensweisheiten auf ihre Kosten.

Die Gefahren der weiten Welt außerhalb des Kinderzimmers werden nun noch größer, weil die Familie samt Spielzeugen zu einem Wohnmobil-Urlaub aufbricht. Damit eröffnen sich faszinierende Schauplätze. Das ist nur eine der Stärken von „Toy Story 4: Alles hört auf kein Kommando“. Auch die neuen Figuren funktionieren: Der kanadische Stunt-Motorradfahrer Duke Caboom (im Original Keanu Reeves), die beiden miteinander verwachsenen Schießbuden-Trophäen Ducky und Bunny (Comedy-Duo Keegan-Michael Key und Jordan Peele) und Mini-Figürchen Giggle McDimples.

Auf dem bunten Jahrmarkt gibt es auch eine Wiederbegegnung mit der furchtlosen Schäferin Porzellinchen. Sie schlägt sich mittlerweile als „verlorenes Spielzeug“ selbstständig durchs Leben – eine spannende weibliche Figur im Spielzeug-Universum und eine völlig neue Perspektive für die treuen Spielzeuge. Neben dem Rummelplatz liegt ein wundersam-unheimlicher Antiquitätenladen. Dort führt die verbitterte Puppe Gabby Gabby (Christina Hendricks) mit ihren Bauchredner-Figuren das Kommando. Sie will Woody sein Sprachmodul stehlen, um endlich eine Chance auf ein eigenes Kind zu haben.

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Die ernsten Themen sind also klar: Es geht um Verantwortung und Loyalität. Und es geht um die Frage: Freiheit oder Familie? Kinder werden irgendwann erwachsen und verlieren das Interesse an ihren Spielzeugen. Doch die Toy Story geht trotzdem weiter. Und jetzt geht es endlich um die Spielzeuge selbst.


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