Tierschutzvolksbegehren fordert Verzicht auf Regenwald-Soja bei AMA

Die Initiative Tierschutzvolksbegehren hat am Dienstag seine Forderung bekräftigt, bei der Produktion von AMA-Fleisch kein auf Regenwaldflächen angebautes Soja zu verwenden. Die Nachfrage bestimme der Konsument.

Protestkundgebung vor der brasilianischer Botschaft "Der Amazonas brennt - Bolsonaro lenkt!" und Protestkundgebung "Stoppt Brandrodungen für Billigfleisch! Ändert das AMA-Gesetz! Stoppt Mercosur!" am Dienstag in Wien.
© APA

Wien – Als konkrete Maßnahme zur Beendigung der Brandrodungen im Amazonasgebiet hat die Initiative Tierschutzvolksbegehren seine Forderung bekräftigt, bei der Produktion von AMA-Fleisch kein auf Regenwaldflächen angebautes Soja einzusetzen. Das AMA-Gesetz müsse entsprechend geändert werden, sagte Initiator Sebastian Bohrn Mena am Dienstag bei einer Kundgebung vor der brasilianischen Botschaft in Wien.

Mehr als 500.000 Tonnen Soja werden jährlich nach Österreich importiert, um in den Trögen der konventionellen Schweinemast zu landen, kritisierte Bohrn Mena. 90 Prozent davon seien gentechnisch verändert. Die Brände im Amazonasgebiet würden gezielt gelegt, um neue Flächen für Agrarprodukte zu erschließen, die vorwiegend für den Export produziert werden. In den vergangenen Tagen seien laut bolivianischen Behörden mehr als eine Million Hektar Wald verbrannt. Die Beteiligung des AMA-Gütesiegels am Raubbau des Regenwalds müsse beendet werden.

Europäische Alternativen zu Amazonas-Soja gefragt

Die Nachfrage bestimme der Konsument. „Solange wir das genmanipulierte Soja aus dem Regenwald nachfragen, solange wird dafür brandgerodet werden“, sagte Bohrn Mena. „Wenn wir also wollen, dass das aufhört, dann müssen wir auf europäische Alternativen setzen. Wir wissen oft gar nicht, was drinsteckt, denn die Transparenz fehlt, wenn am Produkt selbst der Inhalt nicht ausgewiesen wird.“ Für die Erzeugung von Bio- Lebensmitteln darf kein genmanipuliertes Futtermittel verwendet werden, im konventionellen Schweinefleisch steckt aber fast immer genau dieses Soja aus dem Regenwald. Milchwirtschaft und Geflügelbranche verzichten hingegen seit Jahren darauf, so Bohrn Mena.

Gegenwärtig werden in Brasilien auf einer Fläche von fast 34 Millionen Hektar angebaut, der jährliche Ertrag betrage rund 115 Millionen Tonnen Sojabohnen. Die 500.000 nach Österreich importierten Tonnen Soja benötigen eine jährliche Anbaufläche in Südamerika im Ausmaß von 240.000 Hektar, wie die NGO Global 2000 vorrechnete. Nur zwei Prozent des in Österreich konsumierten Schweinefleisches seien biologisch produziert, weitere zehn Prozent konventionell, aber ohne Fütterung von gentechnisch verändertem Soja.

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8000 Quadratkilometer Regenwald 2018 gerodet

Der Regenwald umfasst eine Fläche von bis zu sechs Millionen Quadratkilometern, davon liegen rund 60 Prozent in Brasilien. Nach Angaben der brasilianischen NGO Imazon wurden im Jahr 2018 fast 8000 Quadratkilometer Regenwald gerodet. Das entspreche mehr als dem Gebiet des Bundeslandes Salzburg. Die Anzahl der Brände und Brandrodungen nahm laut WWF seit Jänner um 83 Prozent zu, insgesamt wurden in diesem Zeitraum über 73.000 Brände registriert. Zwischen 1990 und 2015 seien dem WWF zufolge mehr als 90 Millionen Hektar Waldfläche für die Erzeugung von agrarischen Produkten vernichtet.

Mit der kürzlich gestarteten Kampagne „Wissen, was wir essen“ will das Tierschutzvolksbegehren auf Herkunft und Entstehung von Lebensmitteln aufmerksam und setzt sich für eine verpflichtende Kennzeichnung in Gastronomie und öffentlichen Küchen ein. (APA)


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