Auf der Suche nach neuer Trasse für Dawinbach

Das Land sicherte den Betroffenen der Mure in Strengen finanzielle Unterstützung zu. Der Dawinbach soll weiter verbaut werden.

Nach einem schweren Gewitter war es am Samstag zum Abgang einer Mure im Strengener Ortsteil Klaus gekommen.
© zeitungsfoto.at

Von Matthias Reichle

Strengen – Vier Bagger waren gestern Vormittag am Unterlauf des Dawinbachs in Strengen im Einsatz. Schaufel für Schaufel beseitigten sie, was die Mure Samstagabend in kürzester Zeit ins Tal geschwemmt hat. Es müssen unglaubliche Kräfte am Werk gewesen sein. Das Rinnsal, das kurz nach 18 Uhr zu einem reißenden Bach anschwoll, hat 70 Tonnen schwere Felsbrocken mühelos davongetragen, wie Augenzeugen berichteten.

Auch die Wildbachverbauung im Unterlauf wurde zum Teil zerstört oder schwer in Mitleidenschaft gezogen. Einen gewaltigen Betonquader hat es einfach weggedrückt. In der Früh machte sich Landeshauptmann Günther Platter gemeinsam mit Vertretern des Wasserbauamtes, der Landesstraßenverwaltung und der Wildbach ein Bild von der Lage.

Knapp 50.000 Kubikmeter Schlamm und Geröll hat der Dawinbach mitgerissen – 15.000 bis 20.000 m3 davon liegen am Schwemmkegel. Seitens des Landes sieht man nun Handlungsbedarf und will möglichst rasch ein neues Verbauungsprojekt starten – dafür soll eine neue Trasse für den Bach gefunden werden. „Unsere Expertinnen und Experten sind sich einig. Es wäre dabei möglich, die Trasse breiter zu führen, um dem Bach mehr Platz zu geben“, teilte auch LHStv. Josef Geisler gestern in einer Aussendung mit.

H Markus Maaß und LH Günther Platter (v. l.) besuchten gestern Strengen.
© BH Landeck/ Spiß

Daniel Kurz, Gebietsbauleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung, Sektion Oberes Inntal, bestätigt, dass das eine von mehreren Varianten ist, die sich seine Mitarbeiter derzeit anschauen. Man würde den Bach dafür „verschwenken“. „Es hängt an den Grundeigentümern“, betont er. „Das Besondere am Dawinbach ist, dass immer Großblöcke mitkommen. Das ist ein Wahnsinn, da geht jede Brücke zu“, erklärt er.

Beruhigende Nachrichten gab es gestern für die Betroffenen des Murereignisses. Der Landeshauptmann kündigte für sie finanzielle Unterstützung an. In finanzieller Hinsicht sollen sie schadlos gehalten werden, so Platter.

Die Aufräumarbeiten nach der Mure waren voll im Gang.
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Insgesamt seien vier Objekte betroffen, wie Bürgermeister Harald Sieß berichtet. Eine stillgelegte Tischlerei ist ein „Totalschaden“. Bei anliegenden Wohnhäusern entstanden beträchtliche Schäden an Garagen und Nebengebäuden. „1998 ist hier eine Mure herunter, 2010, 2016 und nun heuer. Die Abstände werden kleiner“, so Sieß. Diesmal habe es die Anrainer aber besonders heftig erwischt. Froh ist Bezirkshauptmann Markus Maaß über die Deponie, die nach den Murereignissen in Schnann 2018 – damals unter Anrainerprotesten – in Strengen eingerichtet wurde. „Die ist jetzt Gold wert. Sonst würden die Aufräumarbeiten nicht so schnell gehen.“ Ob die Landesstraße mit heute wieder geöffnet werden kann, war gestern noch offen.

Die Schäden sind beträchtlich.
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