Kultband Wanda: „Wir sind keine Virtuosen“

Zwischenmenschliches neben Allgemeingültigem: „Wanda“ legen mit „Ciao!“ ihr viertes Studioalbum vor. Die am Freitag erscheinende Platte hält neben kleinen Überraschungen vor allem viel „Wanda“ bereit.

Erfolgscombo seit 2012: v.l.n.r. Lukas Hasitschka (Drums), Reinhold Weber (Bass), Marco Michael Wanda (Gesang), Christian Hummer (Keys), Manuel Christoph Poppe (Gitarre) beim Dreh von „Ciao Baby“ in Burano.
© Wolfgang Seehofer

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck –Ein Abschied, der auch eine Begrüßung ist; mitunter sogar für einen Neuanfang steht. So kündigt Marco Michael Wanda (eigentlich: Michael Marco Fitzthum) „Ciao!“ an, das neue Album seiner Wiener Erfolgscombo Wanda, von dem die Vorboten („Ciao Baby“) bereits seit Wochen durch die Radiostationen spuken und das übermorgen Freitag erscheinen wird.

Ein Neuanfang auch deshalb, weil alles an musikalischem Material, das sich in den letzten Jahren bei Wanda angesammelt hatte, eigentlich auf „Niente“ (2017) verbraten wurde, erläutert der Frontman im Gespräch. Die neue Platte ist demnach eher ein Schnellschuss, aufgenommen in wenigen Tagen in einem Haus nahe dem Waldrand und mit Studio an der österreichisch-tschechischen Grenze. „Ich war getrieben, irgendetwas hat sich in mir bewegt“, erklärt Wanda, deshalb sei das Schrei­ben ohne größere Probleme abgelaufen. Wie noch bei jedem Album („Ciao!“ ist das inzwischen vierte Studioalbum) würden im Vorfeld an die 100 Songs aussortiert, damit nur das Beste übrigbleibt.

Das Beste (14 Songs) ist bei dieser Platte nicht wie gewohnt (nur) Beziehungskiste, sondern hält auch Tiefsinnigeres parat: „Ich habe mir beim Schreiben die Frage gestellt, in welches Zeitalter brechen wir eigentlich auf?“, formuliert Wanda den Findungsprozess. „Gehen wir in eine bessere Welt, lösen sich die großen Versprechen für uns ein – das sind die Themen, die mich gerade interessieren.“

Antworten liefern die neuen Wanda-Songs, das gibt auch der Urheber zu, dann jedoch kaum, teilweise regiert die schnöde Resignation. Auf „Alle diese schönen Träume, ob von gestern oder heute, alle sind sie allesamt vorbei“ reagieren Wanda, wie der Songtitel von „Nach Hause gehen“ schon besagt, mit einem genervten „Können wir bitte bald nach Hause gehen?“. Etwas spritziger ist da der Zugang bei Tracks wie „Gerda Rodgers“ oder „Domian“: „Die Lust auf Wissen mündet heute auch oft im Zweifel an Wissenschaft oder Politik“, erklärt Wanda. Bei den eben genannten Songs fasziniere ihn das Interesse an so genannten „Scheinexperten“, sowohl Gerda Rogers als As­trologin als auch der deutsche Talker Domian erreichen über Radio bzw. Fernsehen ihr riesiges, höriges Publikum.

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Obwohl gerade „Nach Hause gehen“, „Vielleicht“ oder „Alma“ mit einer gewissen stilistischen Experimentierlust überraschen, vergessen Wanda bei ihrer neuen Platte nicht auf Wanda. Ihr Frontman erklärt die Methode per Fußballanalogie: Man habe eben eine Taktik, mit der man ins Spiel gehe. Und die Wiener wissen, wie’s funktioniert: Mit simplen, schmissigen Riffs und einem gefälligem Refrain, einer guten Prise Weltschmerz, viel „Baby“ und ein bisschen Grant haben sie sich ins Spitzenfeld des deutschsprachigen Poprock gespielt. Und auch in „Ciao!“ werden die Songzeilen wieder durch konsequente Wiederholung ins Hirn der Zuhörer gehämmert. Mit Erfolg: Bereits beim ersten Reinhören kommt Lust zum Mitgrölen auf.

„Wir spielen auf Augenhöhe mit unseren Fähigkeiten“, fasst Wanda schlussendlich auch die Lust der Band auf Weiterentwicklung zusammen. „Wir sind keine Virtuosen. Es geht um Gefühl und Intuition.“ Und das liefern Wanda am besten geradeheraus; ein virtuoses Um-die-Ecke-Denken funktioniert bei „Ciao!“ nicht wirklich, die Wiener rocken lieber frontal; mal lässig zappelnd, mal sich träumerischen Exzessen hingebend. Die Festivalstimmung wird bei „Ciao!“ jedenfalls gratis mitgeliefert. Die passt wohl auch noch zum nächsten Sommer: Live zu hören sind Wanda in Innsbruck erst wieder im Mai 2020.

Poprock Wanda: Ciao!. Universal Music.


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