„Made in China“: Schmerzhafte Risse in Chinatown

Frédéric Chau, in „Monsieur Claude“ noch einer der Schwiegersöhne, erzählt in der Tragikomödie „Made in China“ seine Migrationsgeschichte.

Sophie (Julie de Bona) und François (Frédéric Chau) wagen eine chinesisch-französische Mischehe.
© Filmladen

Von Peter Angerer

Innsbruck –In Philippe de Chauverons „Monsieur Claude und seine Töchter” spielte Frédéric Chau 2014 den chinesischen Banker Chao, der sich die rassistischen Tiraden seines Schwiegervaters gefallen lassen musste, um den bürgerlichen Familienfrieden nicht zu stören. Für die Fortsetzung der kommerziell erfolgreichen Familienkomödie durfte Chau seinen persönlichen Hintergrund einbringen, denn der in Frankreich auch als Comedian geschätzte Schauspieler kümmert sich als politischer Aktivist um die Rechte der asiatischen Migranten.

Nach den pogromartigen Übergriffen des Jahres 2016 auf chinesische Einwanderer sieht der Geschäftsmann in „Monsieur Claude 2“ die Zukunft seiner Familie in Peking, was der Patriarch nach den Regeln der Komik zu verhindern weiß.

Mit Julien Abrahams „Made in China“ erhält Frédéric Chau nun seine eigene Komödie, in der Peking als Fluchtpunkt natürlich nicht in Frage kommt.

François (Chau) wird wohl nie ein Franzose werden. Da hilft es auch wenig, Fragen nach seiner Herkunft mit dem Geburtsort Paris zu beantworten. Seinen Eltern – Opfer von Maos Kulturrevolution – war die Flucht nach Frankreich gelungen, wo ihnen allerdings in einem Plattenbau nur ein Leben zugestanden wurde, als hätten sie China nie verlassen. Der Vater hat als Lagerarbeiter alle Demütigungen nur ertragen, um dem Sohn neben einem Studium den Zugang zu französischer Kultur zu ermöglichen. Anpassung und Unterwerfung sollten schließlich irgendwann belohnt werden. Doch François hat sich für den wenig respektierten Beruf des Fotografen und – noch schlimmer – für Sophie (Julie de Bona) als Ehefrau entschieden. Deshalb vermeiden Vater und Sohn seit zehn Jahren jeden Kontakt. François’ einziger Freund ist der Fahrlehrer Bruno (Medi Sadoun spielte den arabischen Schwiegersohn Monsieur Claudes), der auch für die Ressentiments zuständig ist. Er bedient die einschlägigen Vorurteile, wenn es darum geht, sich Vorteile zu verschaffen. Im Umgang mit Chinesen wechselt er in das „Gastarbeiterfranzösisch”, ohne zu merken, dass er damit seine Gesprächspartner verhöhnt.

Weit entfernt von der selbstgerechten Ermächtigung des alten, weißen Mannes („Ich bin kein Rassist, aber das wird man doch wohl sagen dürfen!”) entscheidet sich Julien Abraham nach Frédéric Chaus Vorlage für politische Korrektheit und eine subtile Komik, die allerdings auch bei manchen Klischees ausrutscht. Es sind in „Made in China“ aber diese zerrissenen Verhältnisse zwischen den Figuren, die schmerzhafte biografische Brüche erahnen lassen und das Korsett einer harmlosen Culture-Clash-Komödie sprengen.


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